Pflaumenregen

So langsam fühlt sich dieses merkwürdige Zwischenstadium nach dem Lockdown und vor einem Ende der Corona-Krise halbwegs gewohnt an.

Der Schulalltag für die Kinder funktioniert sehr gut und sie genießen es, mit ihren Freunden und Lehrern zusammen zu sein und jede mögliche Minute draußen zu verbringen. Die kleine Dame geht mit ihrer Klasse jeden Tag mindestens einmal in den Park, der kleine Bube setzt mit seiner Gruppe und viel Hingabe den Innenhof der Schule mit dem Gartenschlauch unter Wasser. Und sich.
Benni arbeitet die meiste Zeit nach wie vor zu Hause, jetzt aber deutlich entspannter und ungestörter.

Und ich, ich gehe auch wieder in die Schule. Ich mache endlich meinen lange gebuchten und erwarteten Intensivsprachkurs. Vier Tage die Woche habe ich zwei Stunden Unterricht und weil es in der Klasse neben mir nur einen weiteren Wahnsinnigen gibt, haben wir quasi Privatunterricht, was wirklich effizient ist. Das und die Tatsache, dass wir jeden Tag nicht nur Hausaufgaben machen müssen sondern auch noch einen Test schreiben. Wir haben zwei Japanischlehrerinnen, eine für einen der vier Tage, die andere für die drei übrigen.
Nummer 1 ist die sehr entspannte, humorvolle Emiko-san, die in ihrem vergangenen Leben schon Tauchlehrerin auf den Fidschi-Inseln und Sprachlehrerin in der Slowakei war. Abe-san ist die Lehrerin, mit der wir am meisten Zeit verbringen und die ich nur Sensei nenne, wenn ich Benni von ihr erzähle. Sensei heißt Lehrer auf Japanisch und Abe-san hat sehr viel von meiner Vorstellung einer japanischen Lehrerin. Sie ist streng, fokussiert und überrascht gerne mit Sätzen wie „Oh, I don‘t know this comedian, I do not have a television“, „I don‘t drink!“, beides sehr energisch ausgesprochen oder „How do you manage to find your way with the trains, yesterday I had to travel to Ōsaki and I got completely lost. I come from the countryside, I get confused here.“ Dazu muss man sagen, Ōsaki ist drei Stationen von meiner Station entfernt, also super zentral und leicht zu finden. Sensei ist speziell, aber nicht auf eine negative Art. Ich lerne viel von ihr und habe sie gerne als Lehrerin, sie ist nur völlig anders als Emiko-san. Emiko ist übrigens ein Vorname und Abe ein Nachname, also schon in der Ansprache beginnen die Unterschiede.

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Schulbank

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Auch die Korrektur kann kawaii – Bärchen sagt, das habe ich gut gemacht

Naja, jedenfalls bin ich jetzt wieder Schülerin und muss echt ackern. Da ich den ersten Intensivkurs übersprungen habe, weil ich ja schon eine Weile Japanisch lerne, wird Hiragana, das erste der beiden „einfachen“ Schriftsysteme schon vorausgesetzt, gerne aber abgefragt. Zusätzlich lernen wir jetzt Katakana, also das Zeichensystem, mit dem vor allem Fremdwörter oder ausländische Namen geschrieben werden.

Ein neuer Name

Das Schöne ist, im Japanischen werden auch die Fremdwörter nicht einfach übernommen, sondern so umgelautet, dass sie zwar ausgesprochen ähnlich klingen wie das Original, aber in unsere Augen abenteuerlich geschrieben aussehen (wenn man sie in Romaji, also unser Schriftsystem, überträgt). Beispiel gefällig? Der Sky Tree, ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt, heißt スカイツリー (sukaitsurī – bitte laut aussprechen…).
Die größte Offenbarung für mich aber ist mein Name! Als ich nach Japan kam, wurde mir mein Name wie folgt aufgeschrieben: シモネ (shimone, weil es interessanterweise zwar die Laute sa, se, so und su gibt, nicht aber si, das wird automatisch zu shi). So heiße ich also schon seit elf Monaten Shimone. Man gewöhnt sich an alles. Bis Sensei mal richtig hinhörte und feststellte, dass ich meinen Namen anders ausspreche. Und, Überraschung, weil Katakana ja für fremde Wörter gemacht wurde, gibt es auch Zusatzlaute, die mit ein paar Hilfszeichen gebildet werden, so auch ein ズィ(zui = zi = ausgesprochen als unser si). Hier wird ein großes zu von einem kleinen i begleitet und damit ein neuer Laut gebildet. Ich heiße also gar nicht シモネ, ich heiße ズィモネ. Ich bin entzückt!

Pikachu gratuliert

Entzückt war auch die kleine Dame, als sie dieser Tage ihren heiß ersehnten fünften Geburtstag feiern durfte. Dank Corona gab es zwar keinen Kindergeburtstag mit ihren Freunden am Nachmittag, aber wir haben uns aus den bereits geöffneten Möglichkeiten etwas anderes ausgesucht. Nach großem Geburtstagsfrühstück und anschließendem Ehrentag im Kindergarten ging es gleich weiter nach Nihonbashi ins Pokémon-Café. In Japan sind Themen-Cafés sehr beliebt und neben Tieren in Pet-Cafés vor allen Dingen Serienfiguren gewidmet. Um Pokémon kommt man in Tokio kaum herum, so kannten die kleine Dame und der Bube Pikachu und seine Freunde gut genug, um tellergroße Augen zu bekommen beim Anblick des bunten Cafés. Wie es sich für ein echtes Themen-Café gehört, waren auch das Essen und die Getränke quietschebunt. Zur Feier des Tages durften eine Pikachu- und eine Hitokage-Tasse mit nach Hause, aus denen seitdem andächtig Tee und Kakao getrunken wird.

So sieht Social-Distancing übrigens im Pokémon-Café aus:

Social Distancing

Niedliche Platzhalter

Tsyuyu

Wir können theoretisch also wieder rausgehen. Sonne genießen und so. Ging auch kurz gut und war fantastisch, dann kam tsuyu, die Regenzeit. Etwa einen Monat lang regnet es jetzt fast jeden Tag, mehr oder weniger ununterbrochen. Und das bei Temperaturen zwischen 20 und 27 Grad, Dampfsauna pur. Letztes Jahr sind wir in den letzten Tagen der Regenzeit angekommen, ab hier kennen wir uns also quasi aus klimatisch.

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Große kleine Regenfans

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Begeisterung in Grenzen

Die Kinder sind gut ausgerüstet mit Regenjacke , Gummistiefeln und stecken auf dem Weg zum Bus trocken unter den Regenabdeckungen der Kindersitze. Ich versuche mit Regenjacke oder -poncho und Gummistiefeln, aber eben ohne Sitzabdeckung das meiste abzuhalten, was so leidlich gelingt auf dem Rad. Für eine Regenhose ist es mir dann aber wirklich zu warm, dann werde ich lieber vom Regen nass, als vom Schweiß. Das kommt noch früh genug wieder.

Durch die Massen an Menschen zu navigieren – ohnehin schon eine Herausforderung – wird durch die Regenschirmthematik auf die Spitze getrieben. Ich fühle mich bisweilen wie in einem alten Jump‘n‘Run Spiel, wenn ich den bunten Kreisen ausweiche, die vor mir oder gerne auch urplötzlich von der Seite auftauchen.

Die Kanji für Regenzeit setzen sich übrigens aus Regen und…es darf gerne geraten werden…einer Pflaume zusammen! Niemand? Wenn noch jemand daran gezweifelt hat, wie schwer die japanische Schrift inklusive der bedeutungstragenden Kanji ist, der Pflaumenregen ist ein schönes Beispiel. Klar, wenn Pflaumenzeit ist und es zusätzlich noch regnet, ist Regenzeit. Easy.

Pflaume

Pflaumenzeit

Auf Rüsselsuche

Sonntag hat Tsuyu mal eine Pause eingelegt und wir gleich mit. Wir haben das schöne Wetter genutzt, um Tokio mal kurz den Rücken zu kehren und sind ins benachbarte Yokohama gefahren.
Yokohama ist nach Einwohnerzahl die zweitgrößte Stadt Japans und Hauptstadt der Präfektur Kanagawa. Nur eine halbe Stunde Bahnfahrt entfernt und Standort der Deutschen Schule, ist es zudem ein beliebter Wohnort für Deutsche, die in Tokio oder Umgebung arbeiten.

Wir haben unseren Tag in China Town beginnen lassen, das größte Mini-China in Japan, und haben uns den Rest des Tages am Wasser rumgetrieben. Yokohama hat eine wirklich schöne Promenade. Das historische Fracht- und Passagierfest Hikawa Maru haben wir uns für den nächsten Besuch aufgehoben, da der Bube exakt davor in seinen Mittagsschlaf entschwunden ist.

Der Yamashita Park direkt an der Promenade war dann ein zu guter Platz für ein Picknick. Im Land der Konbinis ist es auch kein Hindernis, wenn man einfach nichts picknickartiges eingepackt hat: große Plane als Picknickdecke inklusive Heringe zum Festmachen für umgerechnet weniger als 3€, eine umfangreiche Auswahl an Sandwiches, Reisbällchen, Joghurts, Knabbersachen, kalten und warmen Getränken etc. – alles vorrätig für eine Pause.
Weiter am Wasser entlang sind wir bis zum Zō no hana Park gekommen. Zō ist der Elefant und hana ist die Nase, also im Wesentlichen Elefantenrüsselpark. Ursprünglich gab es an dieser Stelle des Ufers Dammkonstruktionen, die Elefantenrüsseln ähnelten, die heute allerdings nicht mehr da sind. Leider ist auch die große neuere Elefantenrüsselstatue, die wir gesucht hatten, nicht mehr da. Der Park verliert also scheinbar ganz gerne mal seine Nasen.

Nach einem Tag mit strahlendem Sonnenschein, kündigten sich im Nasenpark dann wieder die dunklen Wolken der Pflaumenzeit an, also ließen wir es für unseren ersten Yokohama-Trip dann mal gut sein.

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Reiselust

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Tor zu China

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Zuckererdbeeren

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New normal?

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Die Hikawa Maru

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Auslauf an der Promenade

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Konbini geht immer

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Doch noch ein Elefantenrüssel

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Straßenstreuner

Ich wurde neulich gefragt, wie es wohl jenseits der ausgewählten Bilder so in Tokio aussieht.

Ich habe mich schon so an die Stadt und ihr Erscheinungsbild gewöhnt, dass ich erst einmal überlegen musste, ob es so anders als in Deutschland ist. Ich empfinde es ja abseits der bunten Vierteln wie Shinjuku oder Roppongi als erfrischend normal und unaufgeregt und habe zum Abschluss mal ein paar ganz alltägliche Straßenbilder von meinen Wegen angehängt.

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Hier hält der Schulbus

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Der Tokyo Tower ist allgegenwärtig in Minato-ku

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Restaurant in Azabu-Jūban

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Gemütliche Einkaufsstraßen von Azabu

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Seitenstraße in Ginza

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Die Fußgängerampeln zeigen rote/grüne Punkte an und zählen runter bis sie die Farbe wechseln, bei z.T. sehr großen Straßen eine echte Hilfe zum Einschätzen, ob man es wohl noch schaffen könnte

Fahrrad

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Fahrradparkhaus in Azabu-Jūban, wild parken ist verboten, Räder werden abgeschleppt

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Das Rad kommt in Fahrradständer mit Schloss, die automatisch verriegeln…

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..und erst wieder entsperren, wenn am Parkautomat bezahlt wurde

Autos

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Parkraum für Autos ist knapp

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Platz zum Abbiegen auch, dafür gibt es Drehscheiben, die das Auto in die richtige Position zum Ein- und Ausfahren bringen

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Straßen werden gerne gestapelt

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Unter einem Straßenstapel

Bahn

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Ticket Gates

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Viele Bahnsteige sind sehr gut mit Absperrungen gesichert

Lockdown-Alltag

So. Lockdown Teil 2. Nach fast sechs Wochen Teilschließungen, wurde ab dem 8. April auch in Japan der Notstand für zunächst acht Präfekturen beschlossen, allen voran aufgrund der Infektionszahlen natürlich Tokio. Zehn Tage später wurde der State of Emergency bis zum 6. Mai auf ganz Japan ausgeweitet und jetzt noch einmal verlängert bis Ende Mai. Die jeweiligen Gesetzgebungen für einen Notstand variieren weltweit stark. In Japan bedeutet es neben der Ausweitung der Schließungen auf alle Geschäfte und Einrichtungen, die nicht unbedingt erforderlich sind, und einigen zusätzlichen Befugnissen, dass die Regierung die Bevölkerung auffordern darf, zu Hause zu bleiben. Auffordern im Sinne von dringlich darauf hinweisen. Die Befolgung dieser Aufforderung kann auch kontrolliert werden. Mehr aber auch nicht, es gibt keine rechtliche Grundlage, um die Nichteinhaltung der Aufforderung unter Strafe zu stellen.

In der Realität heißt das, dass man dennoch viele Menschen auf den Spielplätzen und in den Parks sieht, sofern sie nicht geschlossen sind. Auch viele private Kindergärten sind weiterhin geöffnet und ausgelastet. Wenn man bedenkt, dass genug Unternehmen immer noch kein Homeoffice anbieten oder es zwar anbieten, aber nicht wirklich unterstützen, ist es allerdings verständlich, dass arbeitende Eltern keine Alternativen sehen, als die geöffneten Kindergärten weiter zu nutzen.

Keine Angst vor Masken

Eine Sache, die hier in Japan sicherlich eine große Rolle sowohl für die Entwicklung der Zahlen, als auch für den Umgang mit Social Distancing spielen, ist die grundsätzliche Handhabung von Hygiene-Maßnahmen. Masken wurden hier schon lange getragen, als viele Nationen noch müde darüber gelächelt haben. Nach zehn Monaten in einem Land, in dem Masken aus Rücksicht vor anderen völlig normal sind, auch bei einer gewöhnlichen Erkältung, bin ich manchmal sprachlos, wenn ich lese, dass Menschen sich ihrer Grundrechte und jeglicher Möglichkeiten ihren Gefühlsausdruck kund zu tun beraubt fühlen, weil sie nun für eine Weile Masken tragen sollen.
Händeschütteln ist in Japan ohnehin kein Thema, man verbeugt sich freundlich zur Begrüßung. Desinfektionsmittel wurden schon vor Corona in den Eingangsbereichen vieler Restaurants und Geschäfte bereitgestellt. Und es gilt ein besonders vorsichtiger Umgang mit Schuhen. In einer üblichen japanischen Wohnung ist der Eingangsbereich extra abgesetzt, entweder durch eine Stufe oder wie bei uns durch Fliesen. In dieser Zone werden die Schuhe ausgezogen und kein Bereich der restlichen Wohnung wird jemals damit betreten. In manchen Fällen gibt es noch unterschiedliche Hausschuhe für Wohnbereiche und Toilette. All diese Gewohnheiten sind sicherlich sehr hilfreich im Kampf gegen Corona, allerdings tragen sie aktuell vielleicht auch ein Stück weit dazu bei, dass ein trügerisches Sicherheitsgefühl entsteht und Social Distancing nicht immer ganz so ernst genommen wird. Auf der anderen Seite scheint das nicht nur hier in Japan ein Problem zu sein.

Insgesamt aber fällt es in einer so großen und vor allen Dingen dicht besiedelten Stadt wie Tokio deutlich auf, wenn viele Menschen zu Hause bleiben. Es ist sehr ungewohnt die zeitweise leeren Straßen und Bahnen zu sehen, wo sonst Menschen dicht an dicht zusammen stehen und gehen. Im großen und ganzen werden die Maßnahmen also eingehalten, aber es wird sich zeigen, ob das reichen wird.

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Kaum zu glauben – leere Bahnen mitten in Tokio

Nest-Geschehen

Für uns hat gerade die elfte Woche der Schulschließungen begonnen und seit fünf Wochen haben wir täglich Online-Meetings mit den beiden Klassen der Kinder. Die Lehrer geben sich sehr viel Mühe, die Kinder zu beschäftigen und ihnen einfach wieder ein Stück Alltag mit ihren Freunden und Betreuern zu bieten. Das ist eine echte Bereicherung und macht beiden viel Spaß.

Online Learning

Kindergarten online

Unser Tagesablauf ist nun vor allem vormittags mehr oder weniger durchgetaktet. Um 9.30 Uhr, nachdem bereits gespielt, gefrühstückt und die Wohnung zum ersten Mal verwüstet wurde, findet die Session für den kleinen Buben statt, die kleine Dame ist selbstredend auch in der kleinen Gruppe voll mit dabei. Das Morgenlied wird gesungen, das Wetter diskutiert (ja, das Wetter ist schon in sehr frühen Jahren ein Thema) und dann wird je nach Wochentag eine halbe Stunde zusammen Snack-Time gemacht, getanzt und gesungen, gespielt gebastelt oder Geschichten gelauscht. Sehr beliebt war hier die Sensorik-Flasche, die die Kinder gemeinsam an ihren Bildschirmen mit Perlen, Spielzeugen, Pfeifenreinigern oder was sonst gerade greifbar und klein genug war, befüllt haben und anschließend mit Wasser auffüllen durften. Tagelang wurde danach noch geschüttelt und gestaunt.

Um 10.45 Uhr ist Session-Time mit der Gruppe der kleinen Dame. Auch hier wird gesungen, gespielt und gebastelt, aber schon die fortgeschrittene Version mit Zahlen, Buchstaben und anderen Lerninhalten. Ich bin jedes Mal begeistert, was die Gruppe schon alles aufnimmt und in Windeseile begreift. Schön, das mal live beobachten zu können, statt nur, wie sonst, Bruchstücke davon erzählt zu bekommen.

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Basteln mit der Klasse

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Schüttelspaß

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Gemeinsame Sandwich-Session

Um 11.15 Uhr beginnt die von mir eingeführte „Erik-Zeit“. Erik ist der Moderator des ZDF-Lernfernsehens PUR+, der den Kindern so lange etwas über wilde Tiere, Fallschirmspringen, Extremtauchen, Farben usw. erzählt, bis ich mal in Ruhe eine Runde Sport gemacht habe.

Steffi online

Wie so vieles im Moment, findet auch der Sport für mich dank Gymondo online statt. So hopse und springe ich über meine Matte im Schlafzimmer und einmal die Woche gibt es sogar ein ganz besonderes Highlight für mich: Steffi! Wer oder was ist Steffi? Nicht nur ist Steffi eine großartige und liebenswerte Persönlichkeit, sie ist auch die Trainerin, die ich jedem nur wünschen kann. Sie hat sich mit ihrem Programm Mami & mini auf Fitnesskurse nach der Geburt spezialisiert, zu deren Einstiegsversionen man die Babys mitbringen kann. Nach der Geburt der kleinen Dame war das ein großer Glücksfall für mich, da ich zu den üblicherweise abends angebotenen Sportprogrammen für Mamas ohne die Babys nicht teilnehmen konnte mit Bennis Arbeitsrhythmus. Seitdem habe ich mich sowohl mit der kleinen Dame als auch mit dem kleinen Buben durch so viele von Steffis Kursen wie möglich geturnt, konnte aber leider das nachfolgende Bootcamp nie nutzen, weil auch das ohne Kinder statt findet. Aaaaaaaber jetzt! Um die vielen Mamas im Lockdown abzuholen, hatte Steffi die grandiose Idee, ihre Kurse jetzt online anzubieten und so habe ich sogar aus Tokio die Möglichkeit endlich mal wieder mitzumachen. Ein dickes Danke dafür!

Nach der Sporteinheit des Tages und der danach dringend nötigen Dusche im Schnelldurchlauf ist sowas von Mittagspause angesagt. Der kleine Bube schläft selig eine ordentliche Runde, die kleine Dame ist froh, dass sie mal ungestört mit ihren Bereichen des Tablets schalten und walten darf und ich schaffe meistens noch einen schnellen Einkauf, bevor ich auf der Couch kollabiere, bevor der Nachmittag wieder mit seinem geballten Chaos Fahrt aufnimmt: „Mama, schau, wir haben eure Klamotten zum Verkleiden genommen!“, „Mama, hier ist es total nass, er [der kleine Bube] hat die Wasserflasche selbst aufbekommen – toll, oder?!“, „Ich spiele lieber in eurem Schlafzimmer, in unseren Zimmern liegt überall was auf dem Boden.“, „Mama, wir sollen doch nicht mit den Stiften an die Wand malen, oder?“…

Rausgehen ist eine Herausforderung, nicht nur, weil man hier erstmal Wege finden muss, die nicht voller anderer Eltern mit Kindern sind, denen auch die Bude auf den Kopf gestellt wird, sondern auch, weil ich jedes Mal das Gefühl habe, einen Sack Flöhe Gassi zu führen. Da werden wie wild Pflanzen gepflückt (und zu Hause liebevoll ins Wasser gestellt), Enten, Katzen, Hunde, Raupen und Käfer bestaunt, entgegengesetzte Richtungen gleichzeitig erkundet und Laufgeschwindigkeiten erheblich variiert. Von den Ampeln und dem Erlernen ihrer Grundregeln für die Zweijährigen unter uns will ich gar nicht anfangen.

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Unser Lieblingsweg

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Ein Team

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Päuschen mit Aussicht

Nach Abendessen und gefühlten Stunden des Aufräumens bleibt mir nicht mehr viel Zeit, bis ich kapituliere und selbst schlafen gehe. So viel zum Alltag im Lockdown. Auf ein Neues morgen!

Der Wahnsinn im Bild

Kunst im Vorbeigehen

Jegliche Sightseeing-Aktivität muss leider auf bessere Zeiten warten, aber ich habe wenigstens die „25 Porticos: The Color and its Reflexions“ auf Odaiba mal schnell festgehalten, ein Kunstwerk von Daniel Buren, an dem ich oft vorbeikomme. Ein klitzekleines Stückchen Tokio-Tourismus, den ich sehr vermisse.

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25 Porticos von Daniel Buren (1996)

Nachholbedarf

So. Ich bin so lange nicht zum Schreiben gekommen, dass ich wohl offiziell sagen kann: ich bin angekommen. Angekommen im ganz normalen Alltag in Tokio. Meine Vormittage sind mit Erkundungstouren, Einkäufen, Hausarbeit, Kursen und ab und zu inzwischen sogar mit Treffen mit einer anderen Mama gefüllt. Nächsten Monat mache ich dann noch einen Intensivsprachkurs 4 Tage die Woche, da wird es morgens noch voller. Meine Nachmittage gehören meinen unerschrockenen Nachwuchsexpats. Wenn dann ab 20.30 Uhr wieder Ruhe einkehrt, schaffe ich meistens noch etwa 10% von den geplanten Tätigkeiten, dann ist Schicht im Schacht. Nicht, dass das in Deutschland anders war. Ganz normaler Alltagswahnsinn in immer gewohnterer Umgebung also.

Was aber hatte besagte Umgebung in den letzten Wochen so zu bieten für uns? Nach einem wirklich schönen Weihnachtsurlaub in Deutschland, sind wir am 31.12. nachmittags wieder in Tokio gelandet. Nach einem Einkauf und dem üblichen Auspack-Wahnsinn wurde noch ausgiebig mit allen Weihnachtsgeschenken aus Deutschland gespielt, die endlich alle aus ihren diversen Taschen und Koffern befreit waren und voll und ganz zur Verfügung standen. Wer jetzt glaubt, es gab dann noch das große Silvesterfeuerwerk wenigstens für die größeren Familienmitglieder – keine Chance. Aus gleich zwei sehr entscheidenden Gründen. Nummer 1: Wir haben tief und fest geschlafen. Nummer 2: In Japan gibt es üblicherweise kein Silvesterfeuerwerk. Es wird im Gegenteil eher ruhig im Kreis der Familie gefeiert und das Neue Jahr wird am nächsten Tag mit dem Besuch eines Schreins begrüßt. Den Teil mit der Ruhe und der Familie haben wir also tadellos japanisch gemeistert. Die letzten freien Tage haben wir den Jetlag von der Leine gelassen und es außer einem Abend zu zweit in Ginza und einem Ausflug nach Odaiba alle zusammen seeeehr langsam angehen lassen. Frohes Neues Jahr der Ratte!

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Die Rainbow-Bridge hat sich hübsch gemacht für unsere Rückkehr

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Kunst von Klaus Haapaniemi in einem von Ginzas Einkaufstentren

Spielerischer Auftakt

Wieder halbwegs in den normalen Wochenablauf gestartet, haben wir uns als erstes neues Ausflugsziel des Jahres das Spielzeugmuseum In Shinjuku ausgesucht. Anders als im Spielzeugmuseum in München, darf hier allerdings nach Herzenslust mit allen Exponaten gespielt werden. Lernspielzeug, traditionelles japanisches Spielzeug, Holzspielzeug, Musikinstrumente, Motorikspielzeug, es gab viel zu entdecken.

Schnitzeljagd durch Tokio

Kommen wir zu einer sehr kreativen Idee der U-Bahngesellschaft Tokyo Metro – Achtung, wir betreten ein wenig Nerd-Land! Wer kennt Escape-Games? Räume, in denen mehrere Spieler versuchen Rätsel zu lösen, Codes und Schlösser zu knacken und mit ganz unterschiedlichen Rahmenhandlungen kleine Geschichten durchzuspielen, die alle am Ende dazu führen sollen, den Raum als Sieger wieder verlassen zu können. Liebt man oder hasst man, schätze ich. Ich finde sie großartig. Ich mag schon die Brettspielvariante für zu Hause, aber die echten Spiele umso mehr. Benni und ich haben uns letztes Jahr schon durch Frankfurts, Dubrovniks und Wiens Escape Rooms gepuzzelt, was das Zeug hält. Da es aber nicht wirklich eine kleinkindtaugliche Freizeitbeschäftigung ist, kommen wir nicht so oft dazu. Hier in Tokio haben wir noch nicht mal danach gesucht bisher.

Nun habe ich aber dank Tokyo Metro einen unterhaltsamen Ersatz gefunden: the Underground Mysteries (jetzt bitte Trommelwirbel vorstellen). Jedes Jahr im Herbst erscheint eine neue Ausgabe des Live-Rätsels. Man kauft sich an einer der Stationen ein Spieleset und erhält ein Täschchen mit Heft, Stift und mehreren Umschlägen oder anderen Gegenständen, die man noch nicht näher untersuchen darf. Dann geht es los: das Heft leitet durch das Spiel, das einen zu verschiedenen Bahn-Stationen der Tokyo Metro führt, welche man vorher jeweils erst errätseln muss. Dann muss man ein oder meist mehrere Rätsel an dem erratenen Ort lösen und weiter geht’s. Es ist also eine Mischung aus Schnitzeljagd und Escape-Game. So bin ich schon durch Kōtō gestreunert, um Bildern auf dem Bürgersteig zu folgen. Oder mysteriösen Handabdrücken in Hibiya auf den Grund gegangen. Zur jeweiligen Station gibt es dann noch Tipps und Informationen zur Umgebung wie zu Museen, Cafés, Restaurants, Parks etc., die es sich lohnt anzusehen. So führt einen das Spiel durch Tokyo und konzentriert sich dabei auf die nicht so bekannten Seiten der Stadt, die man damit auch mal kennen lernt. Unterwegs habe ich schon viele andere Rätsellöser mit dem Heft in der Hand gesehen, es scheint sowohl Tokiotern als auch Touristen gleichermaßen Spaß zu machen.

Leider werde ich das Spiel diese Saison nicht mehr abschließen können, da es Ende Februar beendet wird und inklusive der ganzen Bahnstrecken wirklich Zeit kostet. Nächstes Mal fange ich gleich im Oktober damit an.

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Rätselmaterialien

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Auf Bildersuche

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Handabdrücken auf der Spur (Denkt noch jemand an Han Solo?!)

Roboterkarneval

Neben Pet-Cafés, psychedelisch bunten Einkaufsstraßen oder Monster-Café ist auch das Robot Restaurant in Shinjuku ein beliebtes Ziel für Touristen und ein weiteres Beispiel für abgedrehtes japanisches Unterhaltungsprogramm. Es war ohnehin mal wieder an der Zeit für ein bisschen Irrsinn, da traf es sich ganz gut, dass Bennis Chef zu einem Teamevent mit Anhang einlud: Besuch des Robot Restaurants mit anschließendem Abendessem in einem Shabu-Shabu Restaurant. Wer sich jetzt fragt, wieso es zwei Restaurants hintereinander sein müssen, dem sei versichert, dass das Robot Restaurant streng genommen weder mit Robotern noch mit einem Restaurant viel gemeinsam hat. Man kann zwar ein paar fragwürdige Chickenteile oder Popcorn ordern und jede Menge zum Großteil ferngesteuerte Maschinen bewundern, das war es aber auch mit dem kulinarischen oder roboterartigen Anteil. Dafür wird eine völlig abgedrehte 90-minütige Show geboten, die mich abwechselnd amüsiert und befremdet hat und insgesamt etwas ratlos zusehen ließ. Auf riesigen fahrbaren Aufbauten tanzen und bekämpfen sich Helden und Unholde in einem großen Spektakel aus Musik, Lasershow und Schauspielkunst. Ein bisschen wie eine Mischungs aus Karnevalsumzug und skurrilem Theater. Helau!

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Danach ging es dann wie geplant noch zum Essen. Shabu-Shabu ähnelt unserem Fondue. Sehr dünn geschnittenes Fleisch und Gemüse wird am Tisch in kochendem Sud gegart und anschließend in Soße gedipt. Sehr lecker und ein schöner Abschluss des Abends.

Raus aus Tokio

Im Februar durften wir auch mit Adrian unseren ersten Gast in Tokio willkommen heißen. Adrian und ich kennen uns schon seit dem Kindergarten (also inzwischen erschreckend lang) und ich habe mich sehr über seinen Besuch gefreut. Vieles habe ich mit ihm noch ein zweites Mal gesehen, aber es bot sich so auch an, Tokio mal hinter uns zu lassen und etwas Neues zu machen.

Kamakura ist nur etwa eine Stunde mit dem Zug entfernt von Tokio und war vom 12. bis 14. Jahrhundert Regierungssitz Japans. Von den vielen vorhandenen Sehenswürdigkeiten haben wir uns vor allem die Tempel Hōkuku-ji und Kōtoku-in ausgesucht. Ersterer ist bekannt für seinen wunderschön angelegten Bambuswald, der Kōtoku-in für seinen Daibutsu, einen riesigen, über 13 Meter hohen bronzenen Buddha aus dem 13. Jahrhundert. Kamakura ist ein willkommener Kontrast zu Tokio und auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Bambuswald des Hōkoku-ji

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Daibutsu

Neue Perspektive

Mit Adrian war ich auch noch einmal auf dem Tokyo Tower, der bei gutem Wetter aber immer etwas hermacht, auch wenn er mittlerweile so etwas wie der alte Herr der Aussichtspunkte ist. Was ich noch nicht wusste: man kann ab dem Main Deck auch die Treppe nach oben nehmen. Oder man macht es wie wir und nimmt sie einfach auf dem Rückweg nach unten und hat während des Abstiegs diesen Teil des Turms ganz für sich alleine.

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Sammlerstücke

Schon letztes Jahr hatte ich von Nagomi Visit gehört, einer Organsiation, die Japaner und Ausländer buchstäblich an einen Tisch bringt. An den Tisch der japanischen Gastgeber um genau zu sein. Beide Seiten können sich registrieren, um für die jeweilige Gegend ein passendes Treffen entweder zum Mittag- oder Abendessen zu vereinbaren. Dann trifft man sich an der nächstgelegenen U-Bahnstation und wird von den Gastgebern in ihre Wohnung begleitet, wo ein hausgemachtes Essen und kultureller Austausch warten. Ich fand die Idee sehr schön und hatte es schon auf meiner To-Do-Liste, als Adrian auch vorschlug, Nagomi Visit auszuprobieren.

So vereinbarten wir ein Treffen mit einem Pärchen aus dem Stadtteil Ōsaki und wurden sehr herzlich empfangen und bekocht. Izumi und ihr Mann, dessen Name mir schändlicherweise entfallen ist, waren bestens vorbereitet, schließlich waren wir schon die 41. Besucherrunde, die sie zu Gast hatten. So war der Selfie-Stick für das Gruppenfoto schon fertig in Position installiert, die Menükarten vorbereitet und das Gästealbum bereit gelegt. Ein bisschen wurden wir das Gefühl nicht los, wie lebendige Trophäen in das Sammelalbum der ausländischen Gäste eingefügt zu werden, aber alles auf eine sehr liebenswerte Art. Man ist ja auch nicht alle Tag ein Exot.

Izumis Mann hatte sich vorab extra die Mühe gemacht, unsere Namen auf Kanji zu übersetzen und Visitenkarten mit den einzelnen Bedeutungen vorbereitet. Die Übersetzung in Kanji ist streng genommen rückwärts, da jedes Kanji in der Regel eine eigene Bedeutung hat und dementsprechend Worte und Sätze gebildet werden. Da unsere Namen keine Bedeutung haben, bzw. diese für einen Japaner nicht ohne weiteres auszumachen sind, hat unser Gastgeber die Kanji nach ihren Lauten zusammengesetzt, so wie man es in Hiragana und Katakana tun würde. Simone setzt sich nach dieser Methode aus den Kanji für Baum, Knospe und Geräusch zusammen. Gestatten: Baumknospengeräusch.

Unsere schicken neuen Namen hat er dann noch genutzt, um uns Shodō, also die Kunst der Kalligrafie, vorzuführen. Danach durften wir uns auch selbst mit dem Pinsel versuchen. Sehr interessant und eine schöne Idee, um uns japanische Traditionen näher zu bringen. Satt, zufrieden und reich beschenkt mit unseren Visitenkarten, einem Tengui (japanisches Tuch, das als Geschenkverpackung, Geschirrtuch, Tischläufer oder ähnliches verwendet werden kann), einer Brosche und unserer Shodō-Kunst wurden wir schließlich verabschiedet.

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Shodō

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Mein Versuch

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Reich beschenkt

Ein paar Worte zu COVID-19

Neben allen schönen und alltäglichen Dingen, die uns hier begegnen, betrifft uns natürlich, wie den Rest der Welt auch, das Coronavirus. Aktuell gibt es 870 gemeldete Fälle einer Erkrankung in Japan, 709 davon stehen in Zusammenhang mit den Erkrankungsfällen auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess. Letzteres darf man nicht außer Acht lassen, um die Beunruhigung vorerst nicht zu groß werden zu lassen.
Japans Gesundheitsministerium reagiert aktuell mit folgenden Verhaltensempfehlungen:

  • mit Erkältungsanzeichen zu Hause bleiben und Besuche in Krankenhäusern unterlassen
  • große Menschenmassen vermeiden
  • häufiges und gründliches Händewaschen
  • beim Niesen Mund und Nase bedecken

Zusätzlich empfiehlt die Regierung allen Arbeitgebern, ihren Mitarbeitern Homeoffice zu ermöglichen, gestaffelte Arbeitszeiten zu erlauben, um die Rush-Hour in Zügen zu vermeiden, und sicherzustellen, dass Mitarbeiter mit Erkältungssymptomen Krankheitstage nehmen können.

Masken und Handdesinfektionsmittel sind ausverkauft, was zum Teil zu kreativen DIY-Lösungen aus selbstgenähten oder zusammengetackerten Papiertüchern/Kaffeefiltern etc. führt. Was ihre Masken angeht, werden Japaner wohl an einem wunden Punkt getroffen, wenn es hierbei zu Lieferengpässen kommt. Experten weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass eine gründliche Handhygiene sehr viel effektiver ist, als das Tragen von Gesichtsmasken. Masken helfen allerdings, sich gerade unterwegs nicht ins Gesicht zu fassen und damit Krankheitserreger zu verteilen. Solange wir noch Masken im Haus haben, benutze ich sie daher für Fahrten mit der Bahn, achte aber vor allen Dingen bei uns allen auf häufiges Händewaschen.

Abgesehen davon verfolgen wir aufmerksam die Berichterstattung und versuchen, uns nicht unnötig zu beunruhigen.

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Kitsch und Kultur

Diese Woche war ich in Souvenirlaune und habe mir allerhand Kitsch und Touristenkrams angeschaut. Erstens bin ich dabei die Adventskalender für die Kinder vorzubereiten und die werden dieses Jahr japanisch-kitschig. Zweitens fliegen wir bald nach Hause und da werden Freunde und Familie nicht ganz verschont bleiben, was schöne und schräge Mitbringsel angeht. Und drittens gibt es einfach so viele kleine und große Absurditäten und Schätze zu entdecken, dass das einfach ab und an mal sein muss.

Falsche Straße

Ich hatte von der Nakamise-dori in Asakusa gelesen. Eine Einkaufsstraße, die zwischen dem Kaminari-mon, dem so genannten Donnertor, bis zum Sensō-ji-Schrein verläuft und mit den angrenzenden Straßen als eines der ältesten Geschäfts- und Unterhaltungsviertel Japans gilt.

Kamari-mon

Kamari-mon, das Donnertor

Nakamise-dori

Tief einatmen und durch

Sensō-ji

Sensō-ji, Tokios ältester Tempel

Ich wollte touristisch, ich bekam Touristen. In Massen. Und jede Menge Stände mit überwiegend echt hässlichen Souvenirs und einer Menge an kulinarischen Mitbringseln. Mein Jagdfieber nach Souvenirs war auf den ersten Metern schon abgeklungen und ich kämpfte mich nur noch der Vollständigkeit halber und um des Schreins Willen bis zum Ende der Nakamise durch.

Praktischerweise liegt in unmittelbarer Nähe die Kappabashi-Straße, die mir ja einige Zeit zuvor sehr gut gefallen hatte. Ich brauchte ohnehin noch ein paar Kleinigkeiten aus der Küchenstadt, also passte das zur Versöhnung dann ganz gut.

Richtige Straße

Ein sehr viel besseres Ziel, obwohl es nicht, wie in Asakusa, eine echte Geschichte vorzuweisen hat, ist der Shoutengai in den Tokyo Decks auf Odaiba. Diese künstliche Einkaufsstraße soll eine Hommage an das Tokio der 60er Jahre sein und beherbergt entsprechend viel Retrokrams. Alte Spiele und Spielautomaten können ausprobiert werden, es gibt Aufführungen wie Papiertheater, man kann ein Geisterhaus besichtigen (Ja nee, ist klar!) oder sich durch die Souvenirläden wühlen. Und hier gibt es auch die Art Kitsch, die ich entweder so schräg finde, dass sie schon wieder gut ist, oder die einfach gleich voll meinen Geschmack trifft.

Shoutengai

Eingang ins Retro-Kitsch-Land Shoutengai

Socken

OH DOCH!

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Maneki-Neko in Miniatur mit Glöckchen

Roll-Ele

Bube und Dame lieben ihn hier!

Vollen Durchblick

Eine vernünftige Sache stand auch noch auf meiner To-Do-Liste: Ich brauchte eine neue Zweitbrille. Der Bube hatte meine Brille etwas zu oft in die Finger bekommen und ich hatte Angst, dass sie es nicht mehr lange macht. Und da ich ja inzwischen ohne Brille zunehmend aufgeschmissen bin, wenn ich etwas lesen will oder muss, machte mich der Gedanke etwas unruhig, zum Glück kaufen die Japaner gerne mal eine neue Brille und nicht das eine Gestell für‘s halbe Leben. So gibt es dann auch genug Geschäfte, die wirklich günstige Angebote haben. Zum Beispiel JINS. Womit sie mich dann restlos begeistert haben: ich konnte mein Gestell aussuchen, die Stärke mitteilen, den Augenabstand messen lassen und einen Matcha-Latte trinken gehen. Dann war die neue Brille fertig und abholbereit. Nix mit, wir melden uns, wenn sie fertig ist. Geht natürlich nur mit Standardgläsern, aber die habe ich praktischerweise. Eine Dreiviertelstunde und umgerechnet etwa 65€ (!) später, hatte ich meine neue Brille.

Brille

So schnell kann‘s gehen

Aber so richtig war es das noch nicht in Sachen farbenfrohe Unnötigkeiten. Es war ja nun Halloween letzte Woche und auch in Japan entkommt man dem gruseligen Spuk nicht mehr, wenn man Kinder hat. Die Halloween-Parade der Schule mit Trick-or-Treat-Ausflug im Spielpark rief. Allerdings rief sie zu Bubes Mittagsschlafzeit, so dass Benni für diese Zeit Homeoffice machte, während ich mit der kleinen Dame – ihreszeichens eine kleine Hexe – zur Schule radelte. Nach einer kleinen Country-Dancing-Aufführung im Klassenraum (urkomisch, wie da Hexen mit Pokémons oder Prinzessinnen mit Doraemons tanzten), ging es raus in den Park, wo die Treats eingesammelt werden konnten. Die kleine Dame und ich genossen ein bisschen entspannte Zweisamkeit, da ist auch Halloween recht.

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Die Parade – im Hintergrund der Gegensatz aus kleinen Wohnvierteln zwischen den großen Hochhäusern der Roppongi Hills

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Trick or Treat!

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Treat!

Den Sonntag hatten wir trotz schönsten Wetters irgendwie zu Hause verbummelt, so dass uns dann irgendwann nachmittags die Decke auf den Kopf und die Kinder auf die Nerven fielen. Also raus. Draußen wurde es schon langsam dunkel und leider machen viele Einrichtungen schon um 17.00 Uhr zu, aber es war mal wieder ein Feiertag. Tag der Kultur – wie passend zu unserer Suche nach Zerstreuung. Und an Feiertagen haben dann wiederum viele Museen etc. länger auf. So auch das Miraikan, das National Museum of Emerging Science and Innovation.

In einem futuristisch wirkenden Gebäude warten die neusten Technologien und zukunftsweisende Erkenntnisse. Für Bube und Dame noch etwas zu hoch, aber trotzdem auf ganz eigene Art und Weise interessant, wetzten wir also von einem kleinkindinteressanten Punkt zum nächsten, konnten aber im Vorbeigehen ein paar Sachen erspähen. So zum Beispiel eine große Kugelbahnanlage, die Auswirkungen von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis simulierte. Oder die begehbare Wohneinheit einer Raumstation, inklusive Toilette (mit Haltegriffen, Sauger für – naja – das Geschäft und Gummihandschuhen). Sehr beeindruckend und hübsch anzusehen ist vor allem die große Kugel, auf die effektvoll die sich drehende Erde projiziert wird.

Globe

Einmal um die Erde herum und unten drunter durch

Achja, und da der Feiertag auf einen Sonntag fiel, kam wieder meine sehr lieb gewonnene japanische Handhabung zum Tragen: Montag war ersatzfrei. Japan hat mir also einen Feiertag zum Geburtstag geschenkt.

どうもありがとうございます

Vielen Dank

 

 

Der ganz normale Wahnsinn

Jetzt ist auch in Tokio so langsam der Sommer vorbei. Hagibis hat noch ein wenig Hitze hinter sich hergezogen, aber danach haben sich die Temperaturen eher so zwischen 15 und 22 Grad bewegt. Mein europäisch geeichtes internes Jahreszeitenmessgerät ist etwas besänftigt.

Wenn es nicht gerade Hunden und Katzen regnet, sind wir draußen, sonst tobt in der Wohnung das Irrenhaus. Der Bube ist in dem bezaubernden Alter angekommen, indem er einfach nur Unsinn macht. Und zwar Big Time. Letzte Woche etwa war Bake Sale im Kindergarten. Diese netten Zusammenkünfte, für die jeder etwas backt und mitbringt, das dann verkauft wird, um Geld in die Community Kasse zu bringen, mit der dann wieder andere nette Events der Kindergarteneltern organisiert werden. Und natürlich hilft auch jeder bei Aufbau, Abbau, Verkauf, Unterhaltungsprogramm etc. Ein Riesenspaß also. Nicht. Jedenfalls nicht mit einem kranken Buben, der dadurch noch motziger, als eh schon durch die Welt wackelt und jeden Backversuch zum Wettlauf gegen die Zeit werden lässt. Abgesehen davon, hatte ich erwähnt, was ein in japanischen Küchen üblicher Backofen ist? Eine Mikrowellen-Backofen-Kombination, in die ein Backblech ungefähr so groß wie ein DIN-A-4 Papier reinpasst. Anleitung natürlich komplett auf Japanisch. Yay. Achja, und die Zutaten wollen hier auch erstmal aufgetrieben sein. Und ich habe zwei Kinder in zwei Kindergartengruppen, also gleich zwei unterschiedliche Sachen zu backen.

Mein Vorlauf für den Bake Sale bestand also schonmal darin, nach Azabu-Jūban in den internationalen Supermarkt zu radeln, wo ich dann auch Backpulver etc. bekommen habe. Dann weiter, ein Handrührgerät auftreiben. Auch geschafft. Zwei Tage nach dem Bake Sale  stand dann zusätzlich noch der Kindergartenausflug an: Sweet Potatoe Digging. Also ein Ausflug raus aufs Feld, um Süßkartoffeln auszubuddeln. Dazu sollten wir Schaufeln, Handschuhe und eine Picknickdecke mitbringen. Überraschenderweise nicht unbedingt die Artikel, die ich mit in unsere Kisten aus Deutschland gepackt hatte, also musste ich auch diese noch aufspüren und erradeln. Ich war also schon so semi-begeistert von den ganzen Vorbereitungen, hatte mich aber brav für alles eintragen lassen. Meine Arbeitsschicht im Kuchenverkauf musste ich dann allerdings wieder absagen, mit verrotztem Kleinkind nicht machbar. Das Backen mit den eingeschränkten Möglichkeiten und dem Buben als zusätzliche Herausforderung war dann auch eher so nahe an der Katastrophe. Ein optisches Highlight waren die entstandenen Muffins dann auch nicht, aber die kleine Dame durfte einfach ganz viele Zuckerperlen und Schokostreusel zum Verzieren einsetzen.

Zwei gegen Eine

Die Veranstaltung an sich war tatsächlich schön gemacht, es gab Spiele für die Kinder, den Backwarenverkauf, Apfelsaft aus Flaschen mit Strohhalm und Popcorn. Bube und Dame wollten natürlich am liebsten ALLES ausprobieren, also rannte ich erstmal dem Buben mit seiner Apfelsaftflasche hinterher, der noch nicht wirklich zuverlässig den für den Saft vorgesehenen Weg Flasche-Strohhalm-Mund-Magen befolgt. Die Dame wollte ein Einhorn-Klebetattoo, der Bube zum Angelspiel am Planschbecken, die anderen Mamas Small-Talk. Gefühlt waren meine Arme und Beine in mindestens sechs Richtungen getrennt voneinander unterwegs und je ein Auge schielte nach einem Kind. Ende vom Lied war ein nasser Bube, der lieber direkt mit dem Arm bis zum Ellbogen im Planschbecken hing, als die Angeln zu benutzen, aber glücklich zwei Plastikfische und einen aufblasbaren Donald Duck als Trophäen mitnehmen durfte. Die Dame hatte ihr Einhorn auf dem Arm und das gewünschte Popcorn war zusammen mit den liebevoll in rotes Dekostroh gebetteten Cookies, die wir erstanden hatten, sicher im Fahrradkorb verschwunden für zu Hause. Ich war schweißgebadet, aber kurz der Ansicht, dass es doch irgendwie läuft. Ha-ha.

Zuhause angekommen, wurde das Popcorn verlangt, also Schüssel raus, das bepuderzuckerte Popcorn rein und den Mini-Löwen zum Fraß vorgeworfen. Kurze kostbare Zeit, um die Schuhe, Jacken und Taschen im Flur aufzuräumen. Zurück ins Wohnzimmer. Ins WEISSE Wohnzimmer! Der Bube hatte mittlerweile einfach jedes einzelne Popcorn aus der Schüssel im Raum verteilt und den Puderzucker auf den Tisch geleert. Als ich reinkam, fand ich ihn mit beiden Händen im Puderzucker bei einer Art Couchtischmassage und die kleine Dame auf dem Boden kniend, friedlich das Popcorn vom Boden essend. Atmen. Notdürftig sauber machen. Ruhig bleiben. Das geschafft, kam ich in den Flur und fand den Buben dabei vor, wie er das rote Dekostroh der Cookies, die er gefunden haben musste, überall in Flur und Schlafzimmer verteilte. Plus Kekskrümel, denn dabei wurden natürlich mit Entzücken auch die Cookies vernichtet. ATMEN. Notdürftig sauber machen. RUHIG BLEIBEN. Danach fand ich beide in Bubes Zimmer, in dem der gesamte Inhalt des Kleiderschranks verteilt worden war. Überall Hosen, Pullis, Bodys. ATMEN. MEHR ATMEN. Raum verlassen.

So geht es im Moment jeden Tag. Der Bube klettert hinter den Fernsehen und versucht, ihn umzuwerfen, sitzt auf Tischen, flutet das Bad oder wirft mit Gegenständen oder Essen. Dazwischen bekommt er entzückende kleine bis große Wutanfälle.

Das Potatoe Digging wurde dann übrigens wetterbedingt abgesagt und das Einhorn-Tattoo gefiel schon am Abend nicht mehr und sollte sofort entfernt werden. Es ist so schön, wenn sich der ganze Aufwand lohnt…

Süßkartoffel-Ersatz

Für den Ausflug auf den Kartoffelacker hatte Benni sich extra einen halben Tag frei gehalten und die kleine Dame war maßlos enttäuscht, dass sie nun nicht die neue Schaufel einsetzen konnte, also musste ein Ersatzprogramm her. Das LEGO Discovery Center, einen kleinen Spielpark in der Nähe, hatten wir bisher gemieden, da am Wochenende an jeder Attraktion lange Schlangen zu erwarten waren. Dafür sind wir noch nicht japanisch genug, noch stresst uns langes Anstehen. Aber es wird langsam besser.

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LEGO oder was es mal werden könnte

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Tokyo Tower aus Plastik

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Beladung eines Containerschiffes für Profis

Ein freier Freitagvormittag schien hingegen mehr als geeignet und wir konnten tatsächlich einfach durchmarschieren und nach Herzenslust ausprobieren, was uns gefiel. Die Kinder konnten die Entstehung eines LEGO-Steins vom Plastikpulver bis zum fertigen Klötzchen verfolgen, ihr Gewicht in LEGO-Steinen herausfinden, mit Laserpistolen auf LEGO-Männchen schießen (?!?), Karussell fahren, auf riesige LEGO-Tiere klettern und Tokio als LEGO-Modell bestaunen und zum Teil sogar steuern. Das war dann auch tatsächlich das erste Mal, dass uns hier in Tokio Godzilla begegnete, als er auf Knopfdruck hinter einem Hochhaus auftauchte. Im anschließenden Shop mussten auch wir Großen uns dann beherrschen, um nicht das eine oder andere Set mitzunehmen. LEGO ist ja aus meiner Sicht für Erwachsene schon so wie Haribo…

Auszeit

Nach einer Woche voller Kleinkind-Unsinn und Rotz- und Motzanfällen war es dann am Samstag echt mal an der Zeit für mich, das Nest alleine zu verlassen. Ich machte mich auf nach Toyosu, dem nördlichsten Ende der Yurikamome Linie, unserer Verbindung nach Odaiba, und bummelte ein bisschen durch die LaLaport-Mall an der Promenade.

Toyosu Promenade

A propos Auszeit, in Japan versteht man etwas von Wellness für zu Hause. Es gibt eine wirklich beeindruckende Auswahl an Kosmetik, Badezusätzen oder Tuchmasken fürs Gesicht. Aber nicht einfach langweilig in Weiß, hier wird auch gleich ein bisschen Unterhaltung zusätzlich geboten: die Auswahl reicht von Geisha-Gesichtern über Kabuki-Motive bis hin zu Tiergesichtern. Großartig! Kabuki ist ein traditionelles japanisches Theater aus der Edo-Zeit, indem die Darsteller Kumadori auftragen, Schminke auf weißem Untergrund, Rot für den Helden, Blau für den Schurken.

 

 

Hagibis

Taifun #19 hat es – anders als Faxai letzten Monat – prominent in die internationalen Medien geschafft. Schon während der vergangenen Woche wurde er zu einem Super-Taifun hochklassifiziert, entsprechend dringlich waren die vielen Warnmeldungen und Notfallpläne, die uns über viele Kanäle erreichten. Hagibis hatte direkten Kurs auf Tokio aufgenommen, so dass klar war, dass wir ab Samstagmorgen im Haus bleiben mussten und uns mit Essen und Wasser eindecken sollten. Da wir in einem relativ neuen Hochhaus wohnen und nicht in einem Einfamilienhaus aus Holz, mussten wir glücklicherweise nicht, wie viele andere, vorsorglich in eine Notunterkunft umziehen. Zudem wussten wir, dass Japan und besonders Tokio sehr gut auf extreme Wetterlagen vorbereitet ist. Die Notfallmaßnahmen werden routiniert verbreitet und verfolgt, ein gigantisches unterirdisches Tunnel- und Auffangsystem reduziert Gefahren durch Überschwemmungen und die Disziplin der Japaner sorgt für geordnete Vorbereitungen.

Dennoch, als Neulinge in Sachen Extremwetterbedingungen und mit zwei kleinen Kindern, die man 100%-in in Sicherheit wissen will, wird einem schon etwas mulmig, wenn sich die Supermarktregale immer weiter leeren und die Warnungen nicht abreißen. So habe ich mich Freitag mit Bube und Dame auch auf den Weg gemacht und unsere Essens- und Windelvorräte eingekauft. Benni hat die Wasserversorgung übernommen, so dass wir Samstag nicht mehr vor die Tür mussten. Draußen wurde es schon morgens immer ungemütlicher, der Regen hörte nicht mehr auf.

Die Kinder waren ganz angetan von der Taifun-Party zu Hause und räumten jedes Puzzle und Spiel ins Wohnzimmer, um den Tag fröhlich im Haus zu verbringen. Wir legten Taschenlampe und Batterien, Kerzen und Feuerzeug bereit und packten einen Notfallrucksack zur Sicherheit. Unsere Trinkwasservorräte ergänzten wir durch eine gefüllte Badewanne, falls die Wasserversorgung tatsächlich unterbrochen werden sollte. Alle Lüftungsdeckel in der Wohnung schlossen wir sobald der Wind deutlich zunahm und das in Hochhäusern übliche 24-Stunden-Frischluftsystem schalteten wir ab.

Warten auf #19

Danach hieß es nur noch abwarten und uns und andere möglichst nicht verrückt machen. Draußen war die sonst so übervolle Stadt menschenleer, ein sehr ungewohnter Anblick. Aus den anderen Präfekturen kamen teilweise  Meldungen von Überflutungen und Evakuierungen, bei uns blieb es bis auf starken Regen und zunehmenden Wind unauffällig. Einmal kam eine Plastiktüte im 37. Stock vorbei geflogen, das war zum Glück alles, so dass wir die Kinder etwas später als sonst, aber sonst ohne Zwischenfälle ins Bett bringen konnten. Gegen 22:30 war Hagibis über Tokio hinweg gezogen und hinterließ ein ruhiges Shibaura um uns herum.

Post Hagibis

Tokio kommt zur Ruhe

Wie auch nach Faxai, empfing uns heute Morgen eine strahlende, wolkenfreie Stadt mit 28 Grad und Sonnenschein. Und wir haben gelernt: ruhig bleiben, den Warnungen folgen und sich nicht verrückt machen lassen und sind froh, dass hier nicht mehr passiert ist.

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Morning After

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Keine Spur von Hagibis

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Der Fuji-San grüßt aus seiner Wolke

 

 

Herbstanfang

あき

Aki, das heißt Herbst. Ich kann den japanischen Herbst schreiben und aussprechen, sogar feiern kann ich ihn, denn wir hatten extra einen Feiertag für den Herbstanfang. Nur sehen und fühlen kann ich ihn so gar nicht. Es sind 29 Grad, das ist für mich immer noch Sommer, egal wie tief die Sonne steht, wann sie untergeht und wieviel Halloween-Deko auch immer zu sehen ist. Das macht mich langsam etwas griesgrämig, denn so gut ich mit der Hitze im Sommer auch klar kam und so schön er auch war, ich liebe den Herbst. Er war schon immer meine Lieblingsjahreszeit und nach gefühlt doppelt so langem Sommer, wie jemals zuvor, wäre ich dann jetzt mehr als bereit für bunte Blätter, Wind und Temperaturen wenigstens unter 20 Grad. Ich will meinen Aki! Jetzt!

Zeit zum Spielen

Bis dahin sind wir noch im Sommermodus unterwegs, schieben aber auch immer mal wieder ein paar Indoor-Aktivitäten ein. Zum Beispiel das Museum of Contemporary Art in Kōtō, wo im Moment noch die Ausstellung „Now, it‘s time to play“ läuft. Das klang nach einem kindertauglichen Museumsbesuch und wir wurden  nicht enttäuscht. Sechs Künstler haben hier in verschiedenen Stationen Spielmöglichkeiten erschaffen, die aus der Routine führen und Kreativität von Jung und Alt anregen sollen. Wir konnten an Schrankwänden hochklettern (aber bitte nur in der untersten Reihe, wir sind hier immer noch in Japan und Sicherheit ist oberstes Gebot), durch ein kleines Labyrinth laufen, mit bunten Knöpfen werfen, unsere Schatten jagen, Masken gestalten, Türme aus Wörtern bauen, einen Parcours bewältigen, Papierflieger fliegen lassen, Bilder ausmalen und auf Betten ausruhen.

Besonders viel Spaß hatten die kleine Dame und ich bei den Masken. Nachdem der Bube Bennis Hose statt seiner Maske Pink verziert hatte, zog Letzterer es vor, mit dem Sohn ins Café zu gehen. Bei Benni hat ein Kaffee immer auch beruhigende Wirkung, wie es scheint. Die kleine Dame und ich tobten uns weiter an unseren Masken aus. Es wurde gemalt, geschnitten und geklebt bis wir zwei würdige Exemplare für die riesigen Wände des Ausstellungsraums fertig hatten und diese stolz Teil des Kunstwerks werden ließen. Zeitgenössische Kunst eben.

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Die fertigen Kunstwerke

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Raum zum Austoben

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Da! Teil der Ausstellung

Buntes Treiben

Sonntag zog es uns mal wieder nach Odaiba zum Riesenrad und Shoppen in Palette Town. Diesmal war auch der Bube mit am Start für eine Fahrt im Riesenrad, die letzte Gelegenheit in Edogawa hatte er ja verschlafen. So hoben wir also zu viert ab im pastellbunten Riesenrad und schauten uns die Nachbarschaft von oben an.

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Bunt in die Höhe

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Wo ist unser Zuhause?

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Pause im Grünen

Auf Odaiba reihen sich gleich vier Einkaufszentren direkt aneinander, so dass man hier gemütlich von einer Mall zur anderen schlendern und zwischendurch immer mal ein Päuschen auf den Promenaden machen kann. Bennis Jagd auf Sneaker endete letztlich aber mit der Feststellung, dass seine Schuhgröße in Japan eher schwierig zu bekommen sein wird.

Dafür konnten wir ein paar schräge Eindrücke sammeln. Im Tierfachgeschäft. Nicht ganz das, was es bei uns ist. Zum einen kann man in Tokio mehr oder weniger an jeder Ecke Hunde kaufen. Es gibt auch immer ein paar Katzen, aber der Fokus liegt klar auf diesen plüschigen Trethupen in jeder Rasse und Farbe. Da man diese aber frei laufend weder in Geschäfte noch in die U-Bahn oder sogar in die öffentlichen Flure und Aufzüge der Wohnhäuser mitnehmen darf, gibt es eine Vielzahl an Transportboxen und Buggys zur Auswahl. Hundebuggys. Und damit nicht genug, die kleinen Schätzchen wollen ja auch modisch auf dem neusten Stand sein, zumindest scheint das die Meinung der Besitzer zu sein, denn im Tiergeschäft gibt es mehr Klamotten für Minihunde als in manchem Laden für Menschenkleidung. Oh, und essen sollen sie ja auch ganz wie die menschlichen Begleiter, also gibt es auch die Pet Cuisine – Ehrensache. Ich war schlicht sprachlos und so richtig viel fällt mir dazu immer noch nicht ein…

Alltagsaktivitäten

Für unsere Nachmittage auf Shibaura Island haben wir inzwischen unsere kleine Promenadenrunde bis ans Ende der Insel erweitert, wo wir mit Krebsen belohnt werden, die nach Herzenslust beobachtet werden können.

Die ärztliche Versorgung haben wir gestern dann auch noch erstmalig testen müssen. Der Bube war in der Wohnung ausgerutscht und gefallen. Dabei hat er sich irgendetwas am Bein oder Fuß so verletzt, dass er erstmal nicht mehr auftreten und laufen konnte. Da wird einem dann doch mal ganz anders, wenn der fast Zweijährige einen voller Angst anschaut und „Au, aua!“ wimmert. Also ab ins Taxi mit den beiden und zu einem englischsprachigen Kinderarzt in Azabu-Jūban. Bis wir dort ankamen, ging es mit dem Laufen zum Glück wieder und der Arzt gab nach der Untersuchung Entwarnung. Jetzt wissen wir wenigstens, wohin, wenn die Kinder krank sind.

 

Von Insel zu Insel

Tokio hört nicht auf, uns zu überraschen mit seiner Vielseitigkeit. Jetzt im neuen Quartier angekommen, galt es, die nähere Umgebung zu entdecken. Hätten wir noch irgendwelche Zweifel gehabt, ob wir mit der Wohnlage richtig entschieden haben, wären sie spätestens mit dem Wochenende endgültig zerstreut worden. Wir haben Odaiba entdeckt. Wie auch Shibaura eine künstliche Insel, die mit unserer durch die Rainbow Bridge verbunden ist. Darüber gelangt man neben dem Auto oder zu Fuß im übrigen mit der Yurikamome, meiner neuen Lieblingsbahn, die ich ja schon letzte Woche entdeckt hatte.

Unser erstes Ziel auf Odaiba war die teamLab Borderless Ausstellung, die schon in Deutschland auf meiner Wunschliste stand. Diese digitale Welt, geschaffen von Technikern und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, will grenzenlose Übergänge zwischen Mensch und Kunstwerk, zwischen Realität und digitalem Raum schaffen und lässt den Besucher ohne definierte Wege durch die Installationen wandern.

Zum Beispiel durch Blumenwelten, die sich rings um uns herum und mit uns als Projektionsfläche ständig veränderten. Bube und Dame jagten virtuellen Fröschen hinterher, rollten leuchtende Bälle durch den dunklen Raum, die kleine Dame bewältigte einen beleuchteten Kletterparcours und entließ ein selbst gemaltes Meerestier mit einem Hightechscanner in ein raumgroße virtuelles Aquarium und sah ihm beim Schwimmen zu. Sie hatte sich hier für einen echt flotten Fisch als Vorlage entschieden, den ich regelrecht für ein Foto jagen musste.

Im Forest of Lamps ließen wir uns verzaubern von der durch Spiegel erzeugten Unendlichkeit der bunten Leuchten. Letzteres hat der Bube verpasst, die Zeit, die wir dafür anstanden, hat er für seinen Mittagsschlaf auf Bennis Arm genutzt. Insgesamt eine sehr beeindruckende Ausstellung, die ich sicher nicht zum letzten Mal besucht habe.

Forest of Lamps

Aber Odaiba hat noch mehr zu bieten. Neben gleich drei Einkaufszentren, die wir mal kurz begutachteten, gibt es hier auch einen Strand. Noch eine Art, wie man Wasser im Sommer in Tokio gewinnbringend nutzen kann: ans Meer fahren. Bisschen schräg fühlt es sich an, kurz hinter der Haustür in die Bahn zu steigen und nach einer Station am Strand wieder auszusteigen. Und dann sitzt man da und schaut den Kindern zu, die vor der Skyline Tokios durchs Wasser hopsen und sich wie zwei Minischnitzel freuen. Könnte schlechter laufen.

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Blick auf unser Zuhause (noch leicht von der Brücke bedeckt ist ein Hochhaus im Bau mit Kränen auf dem Dach, zweites Haus links davon)

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Strandtag

Morgen starten wir in die letzte Phase der Anfangszeit hier. Wir lernen die Erzieher im Kindergarten kennen. Am Mittwoch geht es für den Buben und die kleine Dame los.

Stadtsommer

So langsam kommt Routine in unseren Alltag zu dritt. Die kleine Dame, der Bube und ich kennen unseren Hood jetzt einigermaßen und wissen, wo wir spielen, einkaufen, shoppen oder uns in den öffentlichen Nahverkehr stürzen können. So kommt es in Woche 3 dann auch durchaus mal zu Wiederholungstaten.

Dienstag waren wir zum Beispiel mal wieder im Robot Park. Praktisch auch deshalb, weil es an den Roppongi Hills mit zahlreichen Geschäften liegt, wo ich nach Sandalen für den Buben schauen wollte, die ich letzte Woche schon gesehen hatte. Nachdem beide Kinder hier Tag für Tag die gleichen Schuhe tragen müssen, brauchen diese bei derartiger Dauerbelastung mal eine Gelegenheit auszulüften. Frühaufsteher, also auch Eltern mit Kleinkindern, kommen hier allerdings erstmal nicht weit. Die meisten Läden öffnen zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr. Der mit den Schuhen leider erst um 11. Also erst zum Robot Park und dann shoppen. Mittlerweile wird es in Tokyo immer sonniger und wärmer, so dass wir aufpassen müssen, nicht zu lange draußen zu bleiben. Nach einer Runde Spielen erreichte ich mit zwei verschwitzten Kindern mit roten Gesichtern den Laden. Schuhe nicht in der richtigen Größe da. Hmpf. Also erstmal heim, Pause gemacht, runtergekühlt.

Kühler Hase

Nachmittags wurden wir dann doch noch fündig. Im Tokyo Midtown Komplex bei uns um die Ecke hat sich die kleine Dame in ein Paar Sandalen verliebt, die es auch in der richtigen Größe gab. Der Bube muss noch etwas warten. Dazu haben wir noch einen neuen Artikel in unser stets mitgeführtes Arsenal aufgenommen: den Hand-Ventilator!!! Man stelle sich umgehend einen Tusch vor und verkneife sich jedes Grinsen. Jawohl, ein kleiner Ventilator zum Mitnehmen. Und Hasenohren plus eine Schnur zum Umhängen hat er auch. Ist mir auch völlig egal, wie das aussieht, bei 35 Grad und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit wie im Dampfbad ist das kleine Ding ein willkommener Helfer. Zugegebenermaßen habe ich die ersten zehn Leute, die ich damit gesehen habe, auch noch belächelt, die nächsten zehn schon nicht mehr so sehr, danach kamen dann langsam die Zweifel und ein Gefühl von „Will auch!“. Will ich auch immer noch, aber der Hase ist entweder fest in den Händen der kleinen Dame oder genauso fest im Mund des Buben (die Hasenohren). Beide wissen den erfrischenden Luftzug sehr zu schätzen.

Mittwoch war Bennis Geburtstag, auf den wir schon konspirativ hingearbeitet hatten. Unser Trip nach Ginza hatte uns in ein Geschäft geführt, das Namen auf Kanji, also in japanischen Schriftzeichen, in ein Stück Holz schnitzt. Das kleine Holzschild ist in Art eines Senjafudas gemacht, ein Schild, wie es an buddhistische Tempel angebracht wird. Ein typisches Mitbringsel für Touristen, aber sehr schön gemacht. Jetzt wollten wir für das Japan-Beginner-Set noch eine Maneki-neko, besser bekannt als Winkekatze. Einer der Legenden nach rettete die Katze Tama einem Fürsten das Leben, indem sie ihm zuwinkte, als der sich während eines Gewitters unter einem Baum unterstellte. Durch das einladende Winken lief der Fürst auf die Katze zu und entging so dem Blitz, der in den Baum einschlug. Eine Winkekatze aufzutreiben,ist in Tokio nicht besonders schwierig, fehlte nur noch ein Geburtstagskuchen. Den hatte die kleine Dame am Vortag beim Bäcker ausgesucht und er wurde dort umgehend mit einem „Happy Birthday Benjamin“ beschriftet.

Zur Feier des Tages verbrachten wir den Nachmittag zu viert im Yoyogi-Park, genauer im nord-östlichen Teil, um den Meiji-Schrein. Die Nähe zum Schrein macht den Park allerdings eher zu einem schönen Wald mit geradlinigen Hauptwegen. Essen, trinken, joggen, Grünflächen betreten – alles nicht erlaubt. Dafür war es schön, mal wieder viel Grün um uns herum zu haben und die Kinder einfach laufen lassen zu können.

 

Gewusst wie

So heiß der Sommer hier ist und so voll die Stadt auch ist, die Tokioter wissen Orte der Entspannung und Abkühlung zu schaffen. Auf unserem Heimweg durch die Grünanlagen um Tokyo Midtown kamen wir an einem Wasserkanal mit kleinen Stegen vorbei, auf denen die Menschen reihenweise saßen und ihre Füße ins Wasser streckten, über ihnen weiße Sonnensegel. Dahinter folgte eine Ansammlung von Tatami-Pavillons zum Ausruhen, eine Garden Lounge mit wunderschönen Lampions und der Digital Art Garden, einer geradezu magischen Installation mit Wasserdampf und Licht.

An dieser Stelle ist der zweite Tusch des Tages fällig: mein Mamachari ist da!!! Heute konnten wir mein heiß ersehntes, schwarzes zukünftiges Lieblingstransportmittel in Empfang nehmen und einweihen. Alles dran, was ich mir vom Fahrradmann meines Vertrauens gewünscht hatte, inklusive Handyhalterung für die Navigation durch die Großstadt. Geht doch auch mit einem wilden Mix aus Englisch und Japanisch und viel gutem Willen. Für meine sehr japanuntypische Größe haben wir beim Anpassen alles aus dem Rad rausgeholt, was möglich war. Sagen wir es mal so: ich habe schon weitaus bequemer auf Rädern gesessen, aber da hatte ich auch noch keine Kinder vorne und hinten zu kutschieren. So werde ich mich an die ungraziöse Fahrweise mit leicht ausgestellten Knien eben einfach gewöhnen müssen. Egal, wir sind endlich ein gutes Stück mobiler und die erste Fahrt zurück ins Apartment, die ich alleine mit der kleinen Dame wagte, tönte es ununterbrochen Begeisterungsrufe vom Rücksitz. Guter Start.

Mein Mamachari