Wasser wieder anders

Kaiser Naruhito hat in einer feierlichen Zeremonie den Thron bestiegen und nach der offiziellen Ablöse seines Vaters im Mai nun auch die traditionellen Schritte vollzogen, die sein Amt mit sich bringt. Für uns hieß das in erster Linie Zeit zu viert, denn die Thronbesteigung ist ein nationaler Feiertag. Dem Wetter war wohl nicht so zum Feiern zumute, jedenfalls gab es eine Menge Wasser von oben. Dementsprechend fielen für uns ausschweifende Outdoor-Aktivitäten flach, auf lange Fahrerei hatten wir keine Lust, also musste etwas Überdachtes in der Nähe aufgetrieben werden. Tokio wäre nicht Tokio, wenn diese Anforderungen nicht leicht zu erfüllen wären, in diesem Fall mit dem Tokyo Water and Science Museum in Kōtō.

Tokyo Water Science Museum

Wasser marsch!

Die städtischen Wasserwerke betreiben das kostenfreie Water Museum über einer lokalen Pumpstation, die ebenfalls besichtigt werden kann. Auf drei Stockwerken zeigt die Ausstellung, wo das Wasser herkommt, wie es in die Städte gelangt und welche Verwendung es dort findet.

Wir waren erst eine Stunde vor Ende der Öffnungszeiten da, hatten dafür aber das Museum fast für uns. So konnte der Bube im Film über den Wasserkreislauf, der an drei Wände und die Decke projiziert wurde, nach Herzenslust Wassertropfen hinterherrennen oder laut seine Begeisterung kund tun. Die kleine Dame war besonders beeindruckt von der Seifenstation. Hier konnte man sich auf eine Plattform stellen und mit einer Kette einen mit seifengetränktem Stoff umwickelten Ring um einen herum nach oben ziehen und so ganze Seifenwände errichten. Wir standen also quasi in einer großen Seifenblase. Auch das große Wasserbecken mit Wasserpistolen, unter dem die Kinder durchkrabbeln konnten, um in der Mitte in Glaskuppeln wieder aufzutauchen, sorgte für viel Freude.

Über das Wasser – ins Wasser

Das Wasser-Museum sollte nicht die letzte Ausstellung der Woche bleiben. Wer meinen Beitrag Von Insel zu Insel gelesen hat, der weiß schon, dass mich die digitalen, bildgewaltigen Welten des teamLab restlos begeistert haben. Im Gegensatz zu der dauerhaften Borderless-Ausstellung, die wir im August besucht haben, gibt es noch eine etwas kleinere, temporäre Version, die teamLab Planets. Mit Kindern und ein bisschen Abenteuerlust, ist die Planets nochmal besser als ihre große Schwester.

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Gleich am Eingang wird man gebeten, die Schuhe auszuziehen, seine Sachen in einen Spind zu schließen und seine Kinder an die Hand zu nehmen, bevor man sich auf den Weg in einen langen dunklen Tunnel macht. Der Sinn dieser Anweisungen erklärt sich schnell von selbst: Wasser. Wie nach einem sehr sauberen, wohltemperierten Wasserrohrbruch, ist ein Teil des Ganges knöcheltief mit Wasser gefüllt, so dass man auch den dann folgenden Aufstieg stetig im Wasser meistern muss. Im Anschluss wird man japanisch-höflich mit Handtüchern begrüßt und weiter geht‘s: in einen Raum, der komplett aus einem Kissen als Boden besteht. Ähnlich wie diese übergroßen Sitzkissen, die mit kleinen Kügelchen gefüllt sind, besteht einfach der ganze Untergrund dieses Raumes aus einem solchen Kissen, in das dann auch noch Hügel und Vertiefungen eingebracht wurden. Ich kann nicht behaupten, dass ich besonders grazil ans andere Ende gekommen bin, aber zum Glück war es hier so dunkel, dass fotografieren eh keinen Sinn machte. Ich habe mehrere Techniken ausprobiert und dachte an einer Stelle sogar, ich könnte mich einfach durchrollen. Was soll ich sagen? Konnte ich nicht. Ich habe mich genau einmal vom Bauch auf den Rücken gerollt, dann lag ich da und musste mich mühsam wieder aus der weichen Vertiefung wühlen. Bube und Dame sind weit leichtfüßiger über das Hindernis gekommen. Aber Spaß hatten wir alle.

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Bube zögert noch

Typisch teamLab folgte dann wieder was für‘s Auge. In einem riesigen Raum mit verspiegeltem Boden hingen Tausende von glitzernden Lichterschnüren, die kontinuierlich die Farben wechselten. Atemberaubend. Ehrlich wahr, einfach nur schön.

Im nächsten Abschnitt wurde ich gebeten, die kleine Dame auf den Arm zu nehmen. Sie ist 4! Kennt sich jemand mit dem Stolz und dem Altersbewusstsein einer Vierjährigen aus? Jepp. Ein entsprechend indignierter Blick traf mich auch, als ich sie brav hochnahm und ihr zuflüsterte, dass ich sie wieder runterlassen würde, wenn keiner guckt. Der Bube parkte, seit ihm die Spiegel auf dem Boden doch etwas zu unheimlich wurden, eh auf Bennis Arm. Wieder Wasser im Gang, immer mehr Wasser. Dann ein ganzer Raum kniehoch mit milchigem Wasser gefüllt, auf das Lichter und Fische projiziert wurden, die um uns herum schwammen. Nicht nur die kleine Dame wollte SOFORT runter, auch der Bube war jetzt nicht mehr zu bremsen. Keine Ahnung, wie das andere Eltern machen, unsere Kinder blieben auf gar keinen Fall auf dem Arm. Hätte ich auch nicht gemacht. Wir hatten also alle Hände voll zu tun, jeweils wenigstens einen Teil Kind an der Hand zu behalten. Die Klamotten waren verloren, aber Wechselklamotten sind immer am Start und warteten im Spind, bin ja schon eine Weile Mutter und einigermaßen lernfähig. Wer mal versuchen will, ein Kind festzuhalten, dass einen digitalen Fisch durch einen halbdunklen Raum voller Wasser jagt: teamLab Planets. Hat geklappt, hat Spaß gemacht, hält man aber nicht ewig durch.

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Auf Fischfang

Der nächste Raum war gefüllt mit riesigen Ballons, die erneut die Farben wechselten. Die kannten wir zwar schon aus der Borderless-Ausstellung, dort durfte man sie allerdings nicht anfassen. Hier konnten die Kinder sie durch die Gegend schieben und schubsen, was sie sich natürlich nicht entgehen ließen. Dem Buben schienen hier die Spiegel am Boden auch plötzlich nichts mehr auszumachen. Im letzten Raum konnten wir uns auf den Boden legen und die bunte Blumenprojektion auf allen Wänden, Decke und Boden um uns herum bestaunen. Wie betrunken torkelten wir anschließend zum Ausgang. Der erste, der uns besuchen kommt, wird hier reingeschleppt und vermutlich alle nach ihm auch.

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Katzen versus Cosplayer

Am Sonntag waren wir mal wieder in Ikebukuro, dem Viertel, in dem wir schon einmal waren, als wir den Sky Circus besucht haben. Damals war allerdings nicht Halloween-Woche… Ikebukuro ist bekannt für seine Cos-Player-Szene und bietet auch schon im Normalbetrieb die ein oder andere bunte Gestalt, aber im Moment kann man sich kaum retten vor kostümierten Massen. Nach der märchenhaften teamLab-Welt, war das dann eher alptraumartig überfüllt und anstrengend. So beschränkten wir uns auch auf die Programmpunkte, die wir vorher mal so lose angerissen hatten und retteten uns ins Nekobukuro, ein Katzencafé. Benni und ich waren ja schon vor ein paar Wochen im Mocha in Harajuku. Dort sind allerdings keine Kinder im Alter von Bube und Dame zugelassen. Im Nekobukuro schon, soweit man aufpasst, dass sie die Katzen nicht ärgern. Die Kinder waren froh, Cosplayer gegen Katzen eintauschen zu können. Wir auch.

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Ansonsten habe ich diese Woche zum ersten Mal wirklich ein Auto vermisst. Ich fahre ja sehr gerne Auto, aber fehlen tut es mir im Alltag hier nicht. Alle Wege lassen sich sehr gut zu Fuß, mit der Bahn oder dem Rad zurücklegen. Außer es regnet in Strömen. Bis zwei Kinder und ich selbst wetterfest verpackt und in die Regenabdeckungen auf dem Fahrrad gebastelt sind – die gibt es natürlich nur für Bube und Dame – vergeht eine Menge Zeit und nachmittags in Regenklamotten gewickelt mit Schirm dazu am Straßenrand zu stehen und auf den Kindergartenbus zu warten, ist auch nur so semi-gut. Reine Luxusprobleme, aber ja, in solchen Momenten fehlt mir mein Landleben mit Auto.

Regen-Ich

Singing in the rain. Nicht.

 

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