Wasser ist immer eine Lösung

Es ist mal wieder heiß in Tokio. Nach ein paar Regenstunden zwischendurch, die die Stadt in eine Megasauna verwandelt haben, sind wir mittlerweile wieder bei 36 Grad angekommen. Eine sehr gute Lösung ist Wasser, in einfach jeglicher Form.

Zunächst einmal natürlich zum Trinken. Dank der überall aufgestellten Getränkeautomaten ist die Flüssigkeitsversorgung immer gesichert. Wenn man mal etwas wagen möchte, empfehle ich, sich einfach irgendein interessant aussehendes Getränk auszusuchen. Meistens ist es eine Variation von ungesüßtem Tee – mal gut, mal furchtbar – hinter manchen Knöpfen verbergen sich diverse limonaden-/saftartigen Getränke, die dafür umso mehr Zucker enthalten und an jeglichem Obst vielleicht einmal von Weitem vorbei getragen wurden. Dazu sind noch isotonische Getränke und eben Wasser mit im Spiel. Es wird nie langweilig. Ein großer Nachteil der Getränkeversorgung sind allerdings die Unmengen an Plastikmüll, die sich durch die Flaschen anhäufen. Plastik ist hier generell ein Thema, das uns immer wieder entsetzt. Hier ist einfach alles in Plastik verpackt. Gerne auch doppelt. Ich habe schon Kleidung in Plastikfolie eingeschlagen in Plastiktüten über die Ladentheke gereicht bekommen. Puh.

Wasser in allen Aggregatzuständen

Eine weitere interessante tokiotische Art Wasser bei hohen Temperaturen einzusetzen, ist der kühlende Wasserdampf, der gerne in Warte- oder Aufenthaltsbereichen im Freien über die darunter wartenden oder sich aufhaltenden Personen gepustet wird. Hat was.

Was auch immer geht ist, sich einfach am Wasser aufzuhalten. Das hat neben einer leichten tatsächlichen Kühlung auch einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt mitten im Großstadtsommer. An dieser Stelle viele Grüße an meine lieben Kollegen zu Hause, die den gleichen Effekt mit unserem Büro-Keramik-Deko-Schneemann erzeugen. Einen Schneemann habe ich hier nicht auftreiben können, dafür aber den Original Weihnachtsbaum des Tokyo Midtown Einkaufszentrums von 2008. Sagen wir es mal so, Weihnachtsbäume können wir besser…

Wir haben uns dafür gleich an zwei Wasserstellen gefühlt gekühlt. Zum einen am schönen Teich im Hinokicho Park, an dem man rundum an vielen Stellen auf Felsen direkt bis ans Wasser gelangt. Ging sogar mit dem Buben, der sich nicht, wie befürchtet, sofort in den Teich gestürzt hat, sondern brav auf dem Stein saß und staunte. So erfolgreich eingeführt, wurde die Methode gleich abends noch in den Roppongi Hills angewandt, wo es sich auch im Dunkeln gut kühlen und staunen lässt.

Im Dunkeln war ich dann schließlich diese Woche auch nochmal in Shibuya unterwegs. Zwar ohne Wasser, aber auch ohne Kinder. Wir brauchten noch ein paar Sachen für die neue Wohnung, ohne die man schlecht die ersten Tage übersteht, Handtücher und Kaffeemaschine im Wesentlichen. Ja, die Kaffeemaschine braucht vor allem einer von uns besonders für das tägliche Wohlbefinden. Nachdem man Benni schon diese Woche im Büro wegen Wartungsarbeiten und Feiertagswoche die Zufuhr zum Kaffee gestrichen hatte, riskiere ich lieber keinen Fehlstart im neuen Heim. Und ich nutze gerne auch jede Gelegenheit, mal kinderfrei aus dem Haus zu kommen. Shibuya ist und bleibt beeindruckend und hätte ich nicht echt schwere Tüten geschleppt, wäre ich auch noch länger geblieben. Dank Ladenöffnungszeiten bis 22.00 oder 23.00 Uhr wäre das auch kein Problem. Ein anderes Mal.

Zurück zum Wasser. Oder in unserer letzten Variante: ins Wasser. Jedenfalls für Bube und Dame. Tokio ist voll von Splash-Waterparks für Kinder. Meistens sind das kostenfreie, auf Planschbeckenhöhe gefüllte Wasserbecken, oft mit kleinen Fontänen ausgestattet. Am Samstag fanden wir einen solchen im Freizeitparkbereich der Tokyo Dome City. Wo bei uns Achterbahnen, Stadien oder große Einkaufszentren in der Regel auf der grünen Wiese errichtet werden, stehen sie hier einfach mittendrin. Gibt ja auch keine grüne Wiese.

Tokyo Dome City vereint alle drei Einrichtungen, so dass man hier shoppen, zum Baseball gehen oder mal eben eine Runde Achterbahn fahren kann. Oder die Kinder in den Splash-Park lassen kann. Nachteil für die Eltern ist hierbei leider, dass man selbst ungewässert in der Sonne nebendran steht und versucht, einem Hitzschlag zu entgehen. Das und die Tatsache, dass der Bube auch die weiteren Attraktionen nutzen wollte – Wasserrutsche oder Schaumbad – beides aber nicht durfte weil zu klein, ließen uns das Vergnügen bald auch wieder beenden. Die Altersbegrenzungen für Kinder und Sicherheitsbestimmungen im Allgemeinen sind in Japan schon seeeeeehr vorsichtig angesetzt. Mag sein, dass wir einen sehr forschen Buben am Start haben und selbst nicht besonders ängstlich sind, was seine Ambitionen und Fähigkeiten zu klettern oder zu rutschen angeht, ich bin mir aber sehr sicher, dass er unfallfrei eine hüpfburgartige Gummirutsche, die in einem Planschbecken endet, rauf und wieder runtergekommen wäre. Oder ich erinnere an die doofe Pinguin-Bootsfahrt, die die kleine Dame mit ihren 4 Jahren nicht ohne mich absolvieren durfte. Safety First. Immer und überall, wenn man sich in Japan bewegt. An jeder noch so kleinen Baustelle finden sich zum Beispiel meist zwei ältere japanische Herrschaften, bewaffnet mit einer Art Laserschwertattrappe aus Plastik, um einen lächelnd und winkend sicher an der Absperrung vorbeiführen. Oder sie stehen an Zebrastreifen, um Autos anzuhalten und Fußgänger passieren zu lassen. A-n e-i-n-e-m Z-e-b-r-a-s-t-r-e-i-f-e-n. Es ist faszinierend. Und auch irgendwie lieb, so umsorgt zu werden. Ich frage mich, wie Besucher anderer Nationen auf die vielen Sicherheitsmaßnahmen reagieren, denn im Grunde kommen wir ja auch schon aus einem sehr sicherheitsliebenden Land. Nichts gegen Japan allerdings.

Heute haben wir gleich einen zweiten Plansch-Park ausprobiert. Shinjuku Park, in dem wir schon letzte Woche den großen Spielplatz aufgetrieben hatten, hat auch einen großen Wasserbereich, der getestet werden musste. Die Kinder waren hellauf begeistert und rannten quietschend durchs Wasser. Für ungefähr eine halbe Stunde, dann wurden alle rausgeschickt. Nach intensiver Beobachtung fanden wir auch heraus, warum: der PH-Wert des Wassers wurde genommen und die drei Blätter, die sich nach wohlgemerkt einer Stunde Öffnungszeit angesammelt hatten, wurden sorgfältig rausgefischt. Hachja, es muss alles seine Ordnung haben.

Abschied von Roppongi

Der Rest des Tages war dann für eine Tätigkeit reserviert, die uns inzwischen wirklich mächtig zum Hals raushängt: Koffer packen. Zum sage und schreibe neunten Mal seit Mitte Juni haben wir unsere Habseligkeiten in diverse Taschen und Koffer gepackt, denn morgen geht es nach Shibaura. Nach neun Wochen Vagabundenleben ziehen wir endlich in unser neues Zuhause. Yay.

Bye bye Roppongi

 

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