Stadtsommer

So langsam kommt Routine in unseren Alltag zu dritt. Die kleine Dame, der Bube und ich kennen unseren Hood jetzt einigermaßen und wissen, wo wir spielen, einkaufen, shoppen oder uns in den öffentlichen Nahverkehr stürzen können. So kommt es in Woche 3 dann auch durchaus mal zu Wiederholungstaten.

Dienstag waren wir zum Beispiel mal wieder im Robot Park. Praktisch auch deshalb, weil es an den Roppongi Hills mit zahlreichen Geschäften liegt, wo ich nach Sandalen für den Buben schauen wollte, die ich letzte Woche schon gesehen hatte. Nachdem beide Kinder hier Tag für Tag die gleichen Schuhe tragen müssen, brauchen diese bei derartiger Dauerbelastung mal eine Gelegenheit auszulüften. Frühaufsteher, also auch Eltern mit Kleinkindern, kommen hier allerdings erstmal nicht weit. Die meisten Läden öffnen zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr. Der mit den Schuhen leider erst um 11. Also erst zum Robot Park und dann shoppen. Mittlerweile wird es in Tokyo immer sonniger und wärmer, so dass wir aufpassen müssen, nicht zu lange draußen zu bleiben. Nach einer Runde Spielen erreichte ich mit zwei verschwitzten Kindern mit roten Gesichtern den Laden. Schuhe nicht in der richtigen Größe da. Hmpf. Also erstmal heim, Pause gemacht, runtergekühlt.

Kühler Hase

Nachmittags wurden wir dann doch noch fündig. Im Tokyo Midtown Komplex bei uns um die Ecke hat sich die kleine Dame in ein Paar Sandalen verliebt, die es auch in der richtigen Größe gab. Der Bube muss noch etwas warten. Dazu haben wir noch einen neuen Artikel in unser stets mitgeführtes Arsenal aufgenommen: den Hand-Ventilator!!! Man stelle sich umgehend einen Tusch vor und verkneife sich jedes Grinsen. Jawohl, ein kleiner Ventilator zum Mitnehmen. Und Hasenohren plus eine Schnur zum Umhängen hat er auch. Ist mir auch völlig egal, wie das aussieht, bei 35 Grad und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit wie im Dampfbad ist das kleine Ding ein willkommener Helfer. Zugegebenermaßen habe ich die ersten zehn Leute, die ich damit gesehen habe, auch noch belächelt, die nächsten zehn schon nicht mehr so sehr, danach kamen dann langsam die Zweifel und ein Gefühl von „Will auch!“. Will ich auch immer noch, aber der Hase ist entweder fest in den Händen der kleinen Dame oder genauso fest im Mund des Buben (die Hasenohren). Beide wissen den erfrischenden Luftzug sehr zu schätzen.

Mittwoch war Bennis Geburtstag, auf den wir schon konspirativ hingearbeitet hatten. Unser Trip nach Ginza hatte uns in ein Geschäft geführt, das Namen auf Kanji, also in japanischen Schriftzeichen, in ein Stück Holz schnitzt. Das kleine Holzschild ist in Art eines Senjafudas gemacht, ein Schild, wie es an buddhistische Tempel angebracht wird. Ein typisches Mitbringsel für Touristen, aber sehr schön gemacht. Jetzt wollten wir für das Japan-Beginner-Set noch eine Maneki-neko, besser bekannt als Winkekatze. Einer der Legenden nach rettete die Katze Tama einem Fürsten das Leben, indem sie ihm zuwinkte, als der sich während eines Gewitters unter einem Baum unterstellte. Durch das einladende Winken lief der Fürst auf die Katze zu und entging so dem Blitz, der in den Baum einschlug. Eine Winkekatze aufzutreiben,ist in Tokio nicht besonders schwierig, fehlte nur noch ein Geburtstagskuchen. Den hatte die kleine Dame am Vortag beim Bäcker ausgesucht und er wurde dort umgehend mit einem „Happy Birthday Benjamin“ beschriftet.

Zur Feier des Tages verbrachten wir den Nachmittag zu viert im Yoyogi-Park, genauer im nord-östlichen Teil, um den Meiji-Schrein. Die Nähe zum Schrein macht den Park allerdings eher zu einem schönen Wald mit geradlinigen Hauptwegen. Essen, trinken, joggen, Grünflächen betreten – alles nicht erlaubt. Dafür war es schön, mal wieder viel Grün um uns herum zu haben und die Kinder einfach laufen lassen zu können.

 

Gewusst wie

So heiß der Sommer hier ist und so voll die Stadt auch ist, die Tokioter wissen Orte der Entspannung und Abkühlung zu schaffen. Auf unserem Heimweg durch die Grünanlagen um Tokyo Midtown kamen wir an einem Wasserkanal mit kleinen Stegen vorbei, auf denen die Menschen reihenweise saßen und ihre Füße ins Wasser streckten, über ihnen weiße Sonnensegel. Dahinter folgte eine Ansammlung von Tatami-Pavillons zum Ausruhen, eine Garden Lounge mit wunderschönen Lampions und der Digital Art Garden, einer geradezu magischen Installation mit Wasserdampf und Licht.

An dieser Stelle ist der zweite Tusch des Tages fällig: mein Mamachari ist da!!! Heute konnten wir mein heiß ersehntes, schwarzes zukünftiges Lieblingstransportmittel in Empfang nehmen und einweihen. Alles dran, was ich mir vom Fahrradmann meines Vertrauens gewünscht hatte, inklusive Handyhalterung für die Navigation durch die Großstadt. Geht doch auch mit einem wilden Mix aus Englisch und Japanisch und viel gutem Willen. Für meine sehr japanuntypische Größe haben wir beim Anpassen alles aus dem Rad rausgeholt, was möglich war. Sagen wir es mal so: ich habe schon weitaus bequemer auf Rädern gesessen, aber da hatte ich auch noch keine Kinder vorne und hinten zu kutschieren. So werde ich mich an die ungraziöse Fahrweise mit leicht ausgestellten Knien eben einfach gewöhnen müssen. Egal, wir sind endlich ein gutes Stück mobiler und die erste Fahrt zurück ins Apartment, die ich alleine mit der kleinen Dame wagte, tönte es ununterbrochen Begeisterungsrufe vom Rücksitz. Guter Start.

Mein Mamachari

 

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