Wochenende von oben

Es mag ja vieles anders sein in Tokio, aber fest steht, das Wochenende ist hier genauso schnell wieder vorbei wie zu Hause auch. Schwupp, Montag. Oder sogar Montagabend, um ganz präzise zu sein.

Wie schon erhofft, konnten wir Bennis zwei freien Tage wieder mit waschechten Touri-Unternehmungen füllen. Es hat durchaus seinen Charme die Rollen wechseln zu können, wie es beliebt. Vom Resident-Frischling zum schon recht bewanderten Touristen. 

Gestreifter Turm

Am Samstag ging es zum bisher nur aus der Ferne bestaunten und fotografierten Tokyo-Tower. Der markant rot-weiß gestreifte, 1958 fertig gestellte, 333m hohe Funk- und Fernsehturm wurde nach dem Vorbild des Eiffelturms erbaut und hat Aussichtsplattformen auf 150 und 250 Metern. Um beide zu besichtigen, muss man auch an moderat besuchten Tagen etwas Geduld mitbringen, da man in kleinen Grüppchen etappenweise von Aufzug zu Aufzug hinauf und hinab geleitet wird. Bekannterweise bringen Kleinkinder ja so viel Geduld mit wie…naja, halt Kleinkinder. Für uns war es also stellenweise eine Gratwanderung Bube, Dame und uns selbst bei Laune zu halten, aber es hat sich gelohnt. Ein wirklich beeindruckender Rundum-Blick erwartete uns vor allem auf 250 Metern Höhe. Sogar das Gebäude, in dem wir zukünftig wohnen werden, haben wir gefunden. Und etwas weiter entfernt, ein Riesenrad, das wir am nächsten Tag durch Zufall wieder entdecken sollten.

Sonntag zog es uns ins süd-östlich vom Zentrum etwas außerhalb gelegene Edogawa.  Hier war der Tokyo Sea Life Park das erwählte Ziel. Hierzu hieß es allerdings wieder eine Weile U-Bahn fahren und die damit verbundene Logistik stemmen. Der Bube wurde dafür in die eigens angeschaffte Rückentrage verfrachtet, um ihn die langen Gänge, Rolltreppen und Treppen der U-Bahnhöfe besser tragen zu können (Benni) und gleichzeitig die kleine Dame im Blick behalten sowie Gepäck und zusammengefalteten Buggy schleppen zu können (ich). So ausgerüstet und zu zweit noch ganz gut machbar.

Das Aquarium würde ich mal als „geht so“ einstufen, vielleicht bin ich aber auch nicht Fisch-Fan genug. Bube und Dame hingegen staunten, zeigten und jauchzten. Letztere freute sich besonders über das Wiedersehen mit Nemo, eine Szene, die sich seit 2003 wohl weltweit in Aquarien wieder und wieder abspielt.

Riesig

Vor dem Aquarium wartete dann unser erspähtes Riesenrad von gestern wieder auf uns. Diesmal aber ganz aus der Nähe und ich muss zugeben, ich war nachhaltig beeindruckt. Ok, ich bin bisher nicht wirklich ein Riesenrad-Tourist gewesen, weswegen zum Beispiel das London Eye nicht mit auf meiner Liste stand, als ich in London war. Deswegen kann ich mit Fug und Recht behaupten: ich habe noch nie ein so riesiges Riesenrad gesehen. Musste gefahren werden. Da der Bube zu der Zeit aber beschlossen hatte, dass die Welt ihn jetzt – wo es keine Tiere mehr zu sehen gab – getrost mal gern haben konnte und in seinen Mittagsschlaf auscheckte, fuhren erstmal Benni und die kleine Dame, die ich im Anschluss mit dem Versprechen, dass sie danach ein danebenliegendes ödes kleines Wasserkarussell mit Pinguin-Booten fahren durfte, dazu überreden konnte mit mir noch eine Runde zu drehen. ECHT hoch kommen einem so 115 Meter vor, wenn man in einer kleiner Gondel sitzt.

Das mit der Pinguin-Bootsfahrt sollte ich übrigens noch bereuen. Am Ticketschalter gefragt, wie alt die kleine Dame sei, antwortete ich wahrheitsgemäß mit vier. Hätte ich bloß sechs gesagt, merkt hier eh keiner ob der Größe des Kindes. Mit sechs hätte sie nämlich erst alleine fahren dürfen. Ein ganz und gar ungefährliches, saulangweiliges, weil saulangsames doofes kleines Karussell, das auf Schienen über eine winzige Wasserstraße gezogen wird. Winzig, weil das ganze Ding winzig war. Ich bin gar nicht winzig und musste jeden meiner 178 Zentimeter in diesen Mist-Pinguin fädeln. Und am Ende fand die Tochter das ganze auch noch – na? – langweilig. Ach! Das nächste Mal schaue ich mir genauer an, was ich verspreche…!

Heute hieß es dann wieder Alltag zu dritt, den wir zunächst einmal mit einem Trip nach Ginza angingen, einem belieben Einkaufsviertel in Tokio. Nachteil: wir mussten mit der U-Bahn fahren, also durfte ich diesmal die Trage-Buggy-Kombi alleine nutzen. Geht, gehört aber besonders bei 33 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Dafür machten wir es uns am Nachmittag im schon letzte Woche besuchten Kuritsu Hinokicho Park gemütlich. Diesmal ohne Regen.

Wir sind bunt

Man macht sich ja als Eltern immer so seine Gedanken, wie es den Kindern mit einem solchen Schritt wohl geht und ob sie sich wohlfühlen und zufrieden sind. Fragt man die kleine Dame, wie sie Tokio nun so findet, bekommt man stets ein bestimmtes, aber wenig detailliertes „Gut!“ zu hören. Der Bube wirkt tief zufrieden, hält sich mit Aussagen aller Art jedoch nach wie vor zurück. Heute habe wir ein Familienportrait von der kleinen Dame gemalt bekommen: Wir alle sind schön bunt und lächeln breit. So verkehrt kann es hier insgesamt also nicht laufen, denken wir und lächeln tatsächlich breit.

Familienportrait

Die kleine Dame, der Bube, Benni und ich (v.li.n.re.)

 

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