Vom Suchen und Finden

Auf einmal haben wir wieder Termine. Und zwar viele davon. Nach den Wochen des Stillstandes, trifft uns die Umstellung jetzt gleich doppelt. Voller Zeitplan in einer vollen Stadt. Aber wir sind endlich hier. In Tokio.

Zunächst mal dreht sich hier alles um die Hauptsachen des Ankommens: Wege und Orte finden, Wohnung finden, Kindergarten finden, Nahrung finden, Schlaf finden. Wir suchen also eine Menge. Gerade letzteres ist kritisch, wenn man zwei völlig aus dem Takt geratene Kinder hat. So gut sie im Flugzeug schlafen konnten, so bescheiden konnten sie das in den vergangenen beiden Nächten hier. Großartigerweise wechseln sie sich mit dem Wachsein ab, was bedeutet, dass wir so gut wie gar nicht schlafen. Wie lange dauert so ein kleinkindlicher Jetlag wohl? Erfahrungswerte folgen…

Orientierung geht dagegen ganz gut. Beide mit einem durchaus vorzeigbaren Sinn für ebendiese sowie mit Google Maps ausgestattet und keiner mit einer Rechts-Links-Schwäche, kommen wir ganz gut zurecht und manövrieren uns und unsere kleinen Begleiter durch den neuen Hood, aktuell erstmal Roppongi, nachts eine Art Reeperbahn Tokios. Hier sind wir in einem möblierten Apartment untergekommen, bis wir eine langfristige Lösung gefunden haben. Das hingegen gestaltet sich nicht ganz so leicht.

Wohnen auf Japanisch

House-hunting klingt ein bisschen wie ein gewaltsamer Sport und stellenweise fühlt es sich auch so an. Zwei Nachmittage haben wir uns jetzt neun Wohnungen und Häuser angesehen, dabei eine Stadtrundfahrt der anderen Art zurückgelegt und einen faszinierenden Einblick in japanische Wohnmöglichkeiten bekommen. Wir haben alles gesehen, vom 37. Stock eines Hochhauses bis zu eingepferchten Erdgeschosswohnungen kleiner Häuser, in die kaum Licht fällt, von superzentral – praktisch, aber hektisch und laut – bis hin zu weiter draußen – Luft zum Atmen und Aussicht mit Weitblick, aber weiter entfernt von Kindergärten und interessanten Vierteln. Wir sind Taxen, Aufzüge und Rolltreppen gefahren, haben auf Fensterbänken gesessen, im Taxi erst auf die Maklerin und schließlich auf die Maklerin und den Fahrer gewartet, der die verschollene Maklerin suchen gegangen war. Wir sind eben dieser Maklerin wie Entenküken durch die überfüllten Straßen von Meguro hinterher geeilt, als das Taxi nicht weiterkam und haben etwas ratlos in Schlafzimmern ohne Fenster oder traditionell japanischen Tatami-Zimmern gestanden. Jetzt sind wir restlos angefüllt mit Eindrücken und der Entscheidung überlassen, wo wir die nächsten zwei Jahre zu Hause sein wollen. Diese Entscheidung kann aber nicht ohne eine weitere getroffen werden: in welchen Kindergarten sollen unsere beiden Schlafterroristen gehen?

Internationale Kindergärten gibt es einige in Tokio, allerdings sollten sie uns und die Kinder zu allererst überzeugen, noch Plätze für beide Kinder haben und erreichbar von unserer neuen Wohnung sein. Blieben drei Kindergärten, die wir uns heute ansehen durften. Auch hier war alles dabei von einer Menge Farben, Geräusch und Menschen auf der einen Seite bis hin zu bedächtiger Ruhe und pädagogisch bestimmt bewusst eingesetzter, mir jedoch eher unheimlicher Lethargie auf der anderen Seite.

Ein Bus für Bube und Dame

Nach langer Überlegung und viel Bauchgefühl haben wir nun eine favorisierte Kombination aus einer etwas entlegeneren Wohngegend und einem gut ausbalanciertem Kindergarten, was die eben genannten Punkte betrifft. Dieser würde extra für uns eine neue Bushaltestelle für den Kindergartenbus einrichten, so dass Bube und Dame morgens mit einer Bus-Nanny als Unterhaltung zum Ziel kämen. Was ein Unterschied zu unserem bisherigen beschaulichen Fußweg von sieben Minuten.

Für den Rückweg haben wir auch schon eine Lösung gefunden: das Mamachari. Was uns in Deutschland und in vielen Teilen Europas das Lastenrad ist den Tokiotern das Mamachari – ein länger gezogenes Rad mit kleineren Rädern und je einem Kindersitz vorne und hinten sowie einem Korb für Einkäufe. Brauche ich. Wo ich schon kein Auto mehr fahren werde, wird das Mamachari mein Stück Freiheit und Unabhängigkeit, um in der neuen Heimat von A nach B zu kommen.

DF7D6733-94E0-4EF5-A284-8D2EEA2D8EB8

Bleibt noch das Essen als eine unserer ersten Herausforderungen. Haben wir aufgrund unseres durchgetakteten Tages bisher schnell etwas auswärts gegessen, ging es heute mal ans Einkaufen. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Es hat zwar stellenweise etwas von einem großen Ratespiel, den gesuchten Artikel unter den vielen bunten meist sowas von gar nicht in lateinischen Buchstaben beschrifteten Verpackungen auszumachen, aber mit ein bisschen detektivischem Spürsinn und Ausschlussverfahren haben wir alles gefunden.

Satt und zufrieden folgt nun Versuch Nummer 3 einer Nacht mit Schlaf in Tokio.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s