Ab ins Nest!

61 Tage hatten wir kein Zuhause. Neun Wochen hatten wir immer dieselben paar Klamotten in Endlosschleifen an, die in unseren Koffern Platz gefunden hatten. In sieben Unterkünften haben wir uns kurzfristig eingelebt und wieder ausgecheckt. Jetzt sind wir da. In unserem neuen Zuhause. Wir leben in Tokio.

Montag wurden wir um 9.00 Uhr von unserer Maklerin Rio abgeholt. Im übrigen machen Makler hier einen sehr viel umfangreicheren und serviceorientierteren Job als in Deutschland, wo der Auftrag als erledigt betrachtet wird, wenn der Mieter unterschrieben hat. Nicht so für Rio, die nach unserer Zusage noch entschieden hat, dass der Vermieter ruhig noch eine Klimaanlage mehr (in zwei von vier Zimmern war keine installiert) und Vorhänge für alle Räume springen lassen könnte. Das hat sie dann auch tatsächlich ausgehandelt. Den Vorhangstoff und die Farbe für jeden einzelnen Raum konnten wir sogar selbst bestimmen. Dann spielte sie auch noch Chauffeurin für uns und unsere diversen Gepäckstücke sowie Babysitterin für den Buben und die Dame, während wir der Einführung ins Gebäude lauschten.

Den Fahrservice nutzen dann allerdings nur Benni und die Kinder, ich fuhr mein Mamachari nach Shibaura Island. Im Zuge der Einführung lernten wir dann nicht nur, wo unser Briefkasten und die hauseigene Packstation ist sondern auch, wo mein Mamachari wohnt. Im größten Fahrradkeller, den ich je gesehen habe. Und das Bild zeigt nur etwa ein Drittel des ganzen Raums.

Fahrräder ohne Ende

Fahrrad verstaut, alle vollzählig, Koffer hochgebracht bekommen, noch schnell Proviant für den Tag im Supermarkt nebenan besorgt, Benni verabschiedet, es konnte losgehen. Insgesamt reihten sich am Montag drei Service-Checks und drei Lieferungen aneinander. Nach reichlich Gewusel, Auspacken und Aufbauen – zum Glück nicht durch mich sondern von den Möbellieferanten – hatten wir am Ende des Tages schon eine gewisse Gemütlichkeit in unserem Nest – denn so fühlt es sich so weit oben irgendwie tatsächlich an – zwischen all den Kartons und Koffern erreicht. Und an der Aussicht kann sich keiner von uns so richtig satt sehen. Am allerwenigsten der Bube, der immer wieder seinen Lieblingsplatz am Fenster einnimmt und staunt.

Lieblingsplatz mit Aussicht

Schön bei Tag…

…und bei Nacht

Nasser Hund

Dienstagnachmittag ging es nochmal zu Nitori, dem Möbelhaus unseres Vertrauens, um ein paar Dinge nachzubestellen. Der Plan war, dass ich mit den Kindern mit der U-Bahn nach Shibuya fahre und wir uns dort mit Benni an der Hachiko-Statue treffen. Hachiko war der vor ein paar Jahren auch durch den Film mit Richard Gere bekannt gewordene treue Hund, der sein Herrchen jeden Tag vom Bahnhof abholte und nach dessen plötzlichem Tod noch jahrelang bis zu seinem eigenen Tod zur selben Uhrzeit am Bahnhof darauf wartete, ob sein Mensch nicht vielleicht doch noch auftauchte.

Wir kamen auch bis zur Statue – und dann keinen Milimeter weiter. Es goss wie aus Eimern und wir hatten weder Schirm noch Regenjacken noch sonst etwas mit. Großartig. Auch Hachiko sah irgendwie traurig aus. Nitori, nur ein paar Hundert Meter entfernt, war unerreichbar. Nach einer langen Wartezeit und dem Kauf zweier Schirme, haben wir es noch geschafft, waren aber bis auf den auf Bennis Arm gut unter dem Schirm verstauten Buben SEHR nass. Die kleine Dame wurde in ihre Wechselklamotten gesteckt, die Großen bissen die Zähne zusammen und ließen sich während des Einkaufs lufttrocknen.

Mittwoch ging es dann weiter mit Lieferungen und Terminen. Die japanische Entsprechung des Telekom-Technikers kam vorbei, um den Internetzugang freizuschalten und gleich darauf der Mensch des Anbieters, um es einzurichten. Lief alles wie am Schnürchen. Nest ist online.

Oh der Donnerstag. Ein großer Tag und ein anstrengender Tag. Unsere Kisten aus Deutschland wurden geliefert. Nach all den Wochen Minimalismus, waren wir wirklich überfordert mit den ganzen Dingen, die wir glaubten zu brauchen. Puh. Es hätte auch weniger getan. Aber half ja nichts. Alles auspacken und einräumen. Und dabei die Nerven behalten, denn mit zwei Kindern heißt das nichts anderes, als stetig einzuräumen und genauso stetig alles zwecks Begutachtung, Wiedersehensfreude und Spieldrang wieder aus dem Schrank oder einfach direkt aus der Hand genommen zu bekommen. Aber es war schön zu sehen, wie die beiden sich gefreut haben über lang vermisste oder vergessene Sachen.

Ich machte mich schließlich nochmal auf in den Elektronikladen, denn auch daraus fehlten noch ein paar Kleinigkeiten. U-Bahn im Berufsverkehr, es war also soweit. Yay. Geht, aber gibt Schöneres. Entlohnt wurde ich allerdings auf der Rückfahrt, auf der ich die Yurikamome Linie nahm statt der Yamamote Linie wie auf dem Hinweg. Die Yurikamome fährt auf diesem Teilstück komplett überirdisch am Wasser entlang und hat zudem noch Panoramascheiben am vorderen Ende, an dem ich mich durch Zufall wiederfand. Das war mal eine Fahrt mit Aussicht.

Fahrt mit der Yurikamome Linie

Blieb heute noch, die Stühle und den Tisch für die Kinder aufzubauen, aber da hatte ich tatkräftige Unterstützung.

Noch fehlt einiges und es sieht zum Teil noch chaotisch aus, aber hier schonmal die einigermaßen fertiggestellten Bereiche in unserem Nest:

Wohnzimmer

Das Reich der kleinen Dame mit dem selbst ausgesuchten Hochbett

Bubes Zimmer – das war‘s mit dem Babybett

Unser Bett kommt noch – solange tut es die Matratze

Das typische japanische Bad ist zweiteilig, Teil 1…

…und Teil 2

Die Toilette, zu deren berühmten Funktionen an anderer Stelle mehr

Der Eingangsbereich: ganz wichtig ist die geflieste Schuhzone, danach geht es in Hausschuhen oder barfuß weiter

Wasser ist immer eine Lösung

Es ist mal wieder heiß in Tokio. Nach ein paar Regenstunden zwischendurch, die die Stadt in eine Megasauna verwandelt haben, sind wir mittlerweile wieder bei 36 Grad angekommen. Eine sehr gute Lösung ist Wasser, in einfach jeglicher Form.

Zunächst einmal natürlich zum Trinken. Dank der überall aufgestellten Getränkeautomaten ist die Flüssigkeitsversorgung immer gesichert. Wenn man mal etwas wagen möchte, empfehle ich, sich einfach irgendein interessant aussehendes Getränk auszusuchen. Meistens ist es eine Variation von ungesüßtem Tee – mal gut, mal furchtbar – hinter manchen Knöpfen verbergen sich diverse limonaden-/saftartigen Getränke, die dafür umso mehr Zucker enthalten und an jeglichem Obst vielleicht einmal von Weitem vorbei getragen wurden. Dazu sind noch isotonische Getränke und eben Wasser mit im Spiel. Es wird nie langweilig. Ein großer Nachteil der Getränkeversorgung sind allerdings die Unmengen an Plastikmüll, die sich durch die Flaschen anhäufen. Plastik ist hier generell ein Thema, das uns immer wieder entsetzt. Hier ist einfach alles in Plastik verpackt. Gerne auch doppelt. Ich habe schon Kleidung in Plastikfolie eingeschlagen in Plastiktüten über die Ladentheke gereicht bekommen. Puh.

Wasser in allen Aggregatzuständen

Eine weitere interessante tokiotische Art Wasser bei hohen Temperaturen einzusetzen, ist der kühlende Wasserdampf, der gerne in Warte- oder Aufenthaltsbereichen im Freien über die darunter wartenden oder sich aufhaltenden Personen gepustet wird. Hat was.

Was auch immer geht ist, sich einfach am Wasser aufzuhalten. Das hat neben einer leichten tatsächlichen Kühlung auch einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt mitten im Großstadtsommer. An dieser Stelle viele Grüße an meine lieben Kollegen zu Hause, die den gleichen Effekt mit unserem Büro-Keramik-Deko-Schneemann erzeugen. Einen Schneemann habe ich hier nicht auftreiben können, dafür aber den Original Weihnachtsbaum des Tokyo Midtown Einkaufszentrums von 2008. Sagen wir es mal so, Weihnachtsbäume können wir besser…

Wir haben uns dafür gleich an zwei Wasserstellen gefühlt gekühlt. Zum einen am schönen Teich im Hinokicho Park, an dem man rundum an vielen Stellen auf Felsen direkt bis ans Wasser gelangt. Ging sogar mit dem Buben, der sich nicht, wie befürchtet, sofort in den Teich gestürzt hat, sondern brav auf dem Stein saß und staunte. So erfolgreich eingeführt, wurde die Methode gleich abends noch in den Roppongi Hills angewandt, wo es sich auch im Dunkeln gut kühlen und staunen lässt.

Im Dunkeln war ich dann schließlich diese Woche auch nochmal in Shibuya unterwegs. Zwar ohne Wasser, aber auch ohne Kinder. Wir brauchten noch ein paar Sachen für die neue Wohnung, ohne die man schlecht die ersten Tage übersteht, Handtücher und Kaffeemaschine im Wesentlichen. Ja, die Kaffeemaschine braucht vor allem einer von uns besonders für das tägliche Wohlbefinden. Nachdem man Benni schon diese Woche im Büro wegen Wartungsarbeiten und Feiertagswoche die Zufuhr zum Kaffee gestrichen hatte, riskiere ich lieber keinen Fehlstart im neuen Heim. Und ich nutze gerne auch jede Gelegenheit, mal kinderfrei aus dem Haus zu kommen. Shibuya ist und bleibt beeindruckend und hätte ich nicht echt schwere Tüten geschleppt, wäre ich auch noch länger geblieben. Dank Ladenöffnungszeiten bis 22.00 oder 23.00 Uhr wäre das auch kein Problem. Ein anderes Mal.

Zurück zum Wasser. Oder in unserer letzten Variante: ins Wasser. Jedenfalls für Bube und Dame. Tokio ist voll von Splash-Waterparks für Kinder. Meistens sind das kostenfreie, auf Planschbeckenhöhe gefüllte Wasserbecken, oft mit kleinen Fontänen ausgestattet. Am Samstag fanden wir einen solchen im Freizeitparkbereich der Tokyo Dome City. Wo bei uns Achterbahnen, Stadien oder große Einkaufszentren in der Regel auf der grünen Wiese errichtet werden, stehen sie hier einfach mittendrin. Gibt ja auch keine grüne Wiese.

Tokyo Dome City vereint alle drei Einrichtungen, so dass man hier shoppen, zum Baseball gehen oder mal eben eine Runde Achterbahn fahren kann. Oder die Kinder in den Splash-Park lassen kann. Nachteil für die Eltern ist hierbei leider, dass man selbst ungewässert in der Sonne nebendran steht und versucht, einem Hitzschlag zu entgehen. Das und die Tatsache, dass der Bube auch die weiteren Attraktionen nutzen wollte – Wasserrutsche oder Schaumbad – beides aber nicht durfte weil zu klein, ließen uns das Vergnügen bald auch wieder beenden. Die Altersbegrenzungen für Kinder und Sicherheitsbestimmungen im Allgemeinen sind in Japan schon seeeeeehr vorsichtig angesetzt. Mag sein, dass wir einen sehr forschen Buben am Start haben und selbst nicht besonders ängstlich sind, was seine Ambitionen und Fähigkeiten zu klettern oder zu rutschen angeht, ich bin mir aber sehr sicher, dass er unfallfrei eine hüpfburgartige Gummirutsche, die in einem Planschbecken endet, rauf und wieder runtergekommen wäre. Oder ich erinnere an die doofe Pinguin-Bootsfahrt, die die kleine Dame mit ihren 4 Jahren nicht ohne mich absolvieren durfte. Safety First. Immer und überall, wenn man sich in Japan bewegt. An jeder noch so kleinen Baustelle finden sich zum Beispiel meist zwei ältere japanische Herrschaften, bewaffnet mit einer Art Laserschwertattrappe aus Plastik, um einen lächelnd und winkend sicher an der Absperrung vorbeiführen. Oder sie stehen an Zebrastreifen, um Autos anzuhalten und Fußgänger passieren zu lassen. A-n e-i-n-e-m Z-e-b-r-a-s-t-r-e-i-f-e-n. Es ist faszinierend. Und auch irgendwie lieb, so umsorgt zu werden. Ich frage mich, wie Besucher anderer Nationen auf die vielen Sicherheitsmaßnahmen reagieren, denn im Grunde kommen wir ja auch schon aus einem sehr sicherheitsliebenden Land. Nichts gegen Japan allerdings.

Heute haben wir gleich einen zweiten Plansch-Park ausprobiert. Shinjuku Park, in dem wir schon letzte Woche den großen Spielplatz aufgetrieben hatten, hat auch einen großen Wasserbereich, der getestet werden musste. Die Kinder waren hellauf begeistert und rannten quietschend durchs Wasser. Für ungefähr eine halbe Stunde, dann wurden alle rausgeschickt. Nach intensiver Beobachtung fanden wir auch heraus, warum: der PH-Wert des Wassers wurde genommen und die drei Blätter, die sich nach wohlgemerkt einer Stunde Öffnungszeit angesammelt hatten, wurden sorgfältig rausgefischt. Hachja, es muss alles seine Ordnung haben.

Abschied von Roppongi

Der Rest des Tages war dann für eine Tätigkeit reserviert, die uns inzwischen wirklich mächtig zum Hals raushängt: Koffer packen. Zum sage und schreibe neunten Mal seit Mitte Juni haben wir unsere Habseligkeiten in diverse Taschen und Koffer gepackt, denn morgen geht es nach Shibaura. Nach neun Wochen Vagabundenleben ziehen wir endlich in unser neues Zuhause. Yay.

Bye bye Roppongi

 

Staunen und lenken

Mountain Day und neuem Buggy sei Dank, haben wir es im zweiten Anlauf tatsächlich auch INS Nature and Science Museum geschafft. Auf dem Weg dahin hat der Bube schonmal die Schlaftauglichkeit des neuen Gefährts getestet – geht scheinbar ganz hervorragend.

Aufgrund des enormen Andrangs im Museum, haben wir es für dieses Mal beim Besuch zweier Abteilungen belassen. Das ist das Schöne an unserem Aufenthaltsstatus: wir können einfach nochmal kommen und müssen nicht in kürzester Zeit mitnehmen, was geht. Für ein besseres Verständnis der Exponate und Filme, fehlte uns insgesamt oft die englische Beschriftung, aber das geht einem Touristen in Deutschland oft sicher sehr ähnlich. Immerhin haben wir die Kinder mal Museumsluft schnuppern lassen, nachdem wir uns das Schlossmuseum in Marburg ja noch verkniffen haben. Vermutlich eignen sich Tiere, Skelette, Flugzeuge etc. auch besser zum Einstieg. Es wurde jedenfalls gestaunt, gefragt, angefasst – hier muss noch an den Grundregeln eines Museumsbesuchs gearbeitet werden – und gekämpft. Letzteres um die besten Plätze an diversen Monitoren.

Wie schon vermutet, ist uns dann tatsächlich kein Berg begegnet, um dem Feiertag die verdiente Ehre zu erweisen. Der nächste Feiertag ist der Tag zur Ehrung der Alten im September, mal sehen, ob uns das besser gelingt.

Frisur mit PS

Nachdem ich mir am Samstag schon die Nägel habe machen lassen und damit schonmal einen Haken hinter „Neues Nagelstudio meines Vertrauens finden“ setzen konnte, gingen wir heute einen weiteren Punkt auf der Liste an: „Neuen Friseur für den Buben finden“. Ich bin ja immer sehr beeindruckt, wenn Eltern ihren Kindern die Haare selbst schneiden können. Und ich habe da auch schon echt super Ergebnisse gesehen. Ich lasse allerdings selbst lieber die Finger und Scheren von Bubes Frisur. Ich bin seit meiner Jahre mit roten, pinken oder schwarzen Haare echt gut im Haarefärben, aber Schneiden, nein danke. Er kann dann zu mir kommen, wenn er gerne blaue Haare hätte.

Also Friseur auftreiben. Tokio wäre nicht Tokio, wenn nicht auch hier eine Besonderheit aufzutreiben wäre. Mit Zusso Kids haben wir nicht nur einen Friseur gefunden sondern gleich einen Unterhaltungsprogrammpunkt für beide Kinder. Hier warten keine einfachen Stühle auf die kleinen Kunden sondern man nimmt in Autos Platz, die jeweils vor den Spiegeln aufgebaut sind. Der Bube hat sich zielstrebig einen Mercedes ausgesucht und erstmal wild ins Lenkrad gegriffen. Dazu gab es noch einen Mickey Mouse Film, der praktischerweise gleich beide Kinder in seinen Bann gezogen hat. Voilá, Haarschnitt gelungen.

Eventhaarschnitt

Demnächst muss ich dann noch einen Friseur für mich finden. Ich fürchte, auf die Autos werde ich dann wohl leider verzichten müssen.

 

Anders als gedacht

Wir feiern gerade das Wochenende der eigentlichen Ziele. Eigentlich, weil der Tag uns jeweils in eine andere Richtung geführt hat, als geplant.

Gestern Nachmittag zum Beispiel wollten wir eigentlich den Blick aus dem Tokyo Metropolitan Government Building genießen. Darauf hatten wir dann aber spontan keine Lust mehr, als wir die Schlange vor dieser kostenlosen Aussichtsgelegenheit gesehen haben. Gleich gegenüber liegt zum Glück Shinjuku Park mit einem großen Spielplatz, so dass eine Alternative schnell gefunden war, sehr zum Entzücken der Kinder. So sehr sogar, dass wir erst nach Sonnenuntergang den Heimweg antraten und damit noch die angestrahlten Zwillingstürme des Government Komplexes bestaunen konnten.

Tokyo Metropolitan Government Building

Oder vielleicht doch lieber Zoo?

Heute wollten wir dann eigentlich ins Tokyo National Museum of Nature and Science. Direkt neben dem Ueno Zoo gelegen, kannten wir den Weg schon und nahmen dieses Mal die Gelegenheit wahr, uns vorher noch die direkt um den Bahnhof gelegenen Einkaufsstraßen näher anzusehen. Neben zahlreichen Souvenirshops und Imbissläden reihen sich hier auch Marktstände mit vornehmlich Meerestieren aneinander. Ein wildes Gewusel aus Essen und Kitsch wartet auf Mengen an Touristen. Wieder etwas, das wir gerne uns mal kurz angeschaut haben, dann aber auch schnell wieder genug hatten. Auch die Aussicht auf die kühlen Räume des Museums war in der Mittagshitze sehr verlockend. Gekommen sind wir dann exakt bis zum Eingang. Dann ist der Buggy gekracht. Offenbar waren diverse Urlaube, Flüge und Ausflüge mit zwei Kindern letztlich zu viel für das gute Stück. Der Bube konnte sein Glück kaum fassen, so unversehens einfach auf dem Weg abgestellt zu werden, während sich seine ratlosen Eltern das Ausmaß der Zerstörung genauer ansehen mussten. Nix mehr zu machen, der war hin und wurde an Ort und Stelle entsorgt. Das Museum musste leider warten, ein freilaufender 1,5-Jähriger, der mit Vorliebe alles anfasst, beklettert oder probiert, wie es schmeckt, schien uns dann doch etwas zu gewagt. Also statt dessen doch nochmal eine kleine Zoorunde, den Jahreskarten sei Dank.

Danach war dann allerdings wirklich mal Schluss mit unserer Bereitschaft noch mehr Sonne und Hitze aufzunehmen. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viel geschwitzt wie hier. Oder so oft geschwitzt sollte ich wohl sagen, genau genommen einfach immer, wenn ich mich nicht im Bereich einer Klimaanlage aufhalte. Die Temperaturen liegen hier bei um die 35 Grad am Tag und 26 in der Nacht, dazu kommt allerdings eine ordentliche Luftfeuchtigkeit. Das ist auch alles nicht so wild, keiner von uns hat eine größere Abneigung gegen Hitze und Sommer, aber an dieses Dauerschwitzen muss man sich schon gewöhnen. Die Japaner schimpfen hier allerdings selbst am meisten über das Wetter, entweder es ist im Moment tatsächlich ungewöhnlich heiß oder man meckert eben gerne über die Hitze, das ist in der Heimat ja auch nicht anders.

Sonntagsshopping

Nachdem die Kinder sich mit Benni schonmal ein bisschen Erholung in der Wohnung gönnen konnten, blieb für mich noch eine wichtige Aufgabe übrig: ein neuer Buggy musste her und zwar möglichst sofort. Das kann man ja in Deutschland an einem Sonntagabend mal versuchen. Hier hingegen musste ich zwar ein wenig Recherche betreiben, welcher Laden Buggys auch auf Lager hat und nicht erst bestellen muss, aber auch das war kein großes Problem. Ironischerweise musste ich erst nach Tokio kommen, um einen deutschen Buggy zu kaufen, aber gut, wir sind wieder mobil.

Neues Mitglied im Fuhrpark

So hatte das Wochenende an manchen Punkten andere Pläne mit uns als wir, aber insgesamt können wir uns nicht beschweren.

Die Woche über habe ich mit Bube und Dame gewohnte und neue Plätze erkundet, zu unseren lieb gewonnenen Plätzen gehört bei der Hitze auch immer wieder der Digital Art Garden mit seinen dampfenden Installationen. Mit einem Smoothie bewaffnet, lässt es sich hier schön staunen und Pause machen.

 

Päuschen am Midtown Komplex

Pause machen durfte ich am Samstag morgen auch mal. Ganz alleine. Maniküre in Ginza – so viel Zeit muss sein. Herrlich. Und morgen gibt es noch ein bisschen mehr Erholung für uns alle, es ist nämlich Mountain Day, ein nationaler Feiertag, der die Möglichkeit schaffen soll, sich mit den Bergen vertraut zu machen und sie zu wertschätzen. Ich glaube zwar nicht, dass wir uns morgen sonderlich mit Bergen beschäftigen werden, aber den Tag wertschätzen werden wir in jedem Fall. Genau genommen ist sogar heute Mountain Day, aber wenn in Japan ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, ist der darauffolgenden Werktag ersatzweise frei. Eine wie ich finde sehr nachahmenswerte Praxis.

 

 

 

Himmelszirkus und Fischkunst

Um so richtig das Gefühl einer wahnsinnig vollen Großstadt zu erleben, gibt es in Tokio mehrere Möglichkeiten: 1. Man fahre im Berufsverkehr mit der U-Bahn – eine Erfahrung, um die ich mich bisher weitgehend drücken konnte. 2. Man hänge am Wochenende rund um Shibuyas Kreuzung ab – erledigt. 3. Man gehe am Wochenende in Ginza shoppen. Das haben wir am Samstag vollbracht. Kein Vergleich zu meinem Erlebnis vom letzten Montag. Scharen an Tokiotern und Touristen schieben die Einkaufsstraßen mit allen namhaften Marken entlang. Das Besondere am Wochenende: die größte Straße wird für den Verkehr gesperrt, so dass man ungehindert auch mitten darauf flanieren kann. Hat was. Muss man aber nicht lange machen. Außerdem treibt einen die Hitze bald auch wieder in irgendein klimaanlagengekühltes Schlupfloch.

Hereinspaziert!

Nun haben wir ja auf dem Sky Deck, dem Tokyo Tower, dem Riesenrad oder – ein paar Stockwerke tiefer, aber für uns immer noch hoch – in unserer neuen Wohnung schon ein paar Blicke von weiter oben auf Tokio riskiert. Da aber die ganze Stadt einfach voll ist von hohen Gebäuden und Gebilden, kann man damit einfach immer weiter machen. Haben wir mit dem Sky Circus auch gemacht. Dieser liegt in Ikebukuro, einem Viertel, das zumindest meiner ehemaligen Vorstellung, wie es wohl auf Tokios Straßen aussehen mag, ziemlich nahe kommt. Hier reihen sich Spielhallen, Manga- und Animeläden aneinander, es ist bunt und etwas durch. Mittendrin steht Sunshine 60, der Wolkenkratzer, der auf seinem obersten, also – Überraschung – 60. Stockwerk den Sky Circus beheimatet. Hierüber hatten wir schon gelesen, dass es zwar nicht der höchste Aussichtspunkt Tokios ist, aber durch seine einzelnen Erlebnisstationen gerade mit Kindern sehr lohnenswert sei. Das war nicht untertrieben, der Zirkus hat sich sowas von gelohnt. Neben der gigantischen Aussicht aus den zahlreichen, zum Teil bodentiefen Fenstern, gab es noch eine Menge an Sinneseindrücken, die vor allem die Kinder voll in ihren Bann zogen. Es wurde auf im Boden eingelassenen Projektionsflächen rumgesprungen, in einem voll mit Animationen bespielten Tunnel getanzt, sich an Regenschirmgriffen festgehalten, die fühlen ließen, wie es wohl sein mag, wenn es Frösche regnet, durch diverse Gucklöcher geschaut und vor einer Gewitterwolke Reißaus genommen. Es hat Spaß gemacht, eine Menge Spaß!

Sonntag zieht es uns scheinbar gerne ins Tierreich. So auch diese Woche, allerdings etwas anders als bisher. Wir haben uns Hidemoto Kimuras aktuelle Kunstausstellung angesehen, die nach über einem Jahrzehnt das große Finale seiner Serie in der Nihonbashi Mitsui Hall darstellt. Kimuras Werke sind allerdings keine Bilder, Fotos oder Skulpturen sondern…Fische. Für diese letzte Show seines Art Aquariums „Edo: Coolness of KINGYO“ ganz konkret Goldfische (eben Kingyo). Über 10.000 Exemplare davon werden in bunt beleuchteten Aquarien in den seltsamsten Formen bei ruhiger Trance-Musik ausgestellt. Ich hatte keine Ahnung,  was für eine Vielzahl an Goldfischarten es gibt und ich habe immer noch ein kleines bis mittelgroßes Fragezeichen im Kopf, was ich nun letztlich von den schuppigen Kunstobjekten halten soll.

Wiedersehen

Wo wir schon bei bizarren Tierbegegnungen sind, in den Roppongi-Hills habe ich eine alte Bekannte wieder getroffen: Maman. Wer mich kennt, weiß, wie mein Verhältnis zu Spinnen ist. Dementsprechend groß war meine Freude 2011 in Ottawa, als ich unerwartet vor der über neun Meter hohen Spinne aus Bronze von Louise Bourgeois stand, die zu allem Überfluss auch noch einen riesigen Eiersack besitzt, gut gefüllt mit riesigen Spinneneiern. Ich kann mich erinnern, damals auch nachgelesen zu haben, dass es noch weitere Güsse des Originals aus dem Tate Modern in London weltweit gibt. Nicht gemerkt habe ich mir, dass ein weiterer Ausstellungsort Tokio ist. Hachja, beim zweiten Mal ist es schon nicht mehr so erschreckend, es war fast ein bisschen Wiedersehensfreude dabei. Mit Maman ehrte die Künstlerin übrigens ihre Mutter, die als Restauratorin von Textilien wie eine Spinne Gewebe erneuerte. Ich hoffe inständig, meinen Kindern fällt etwas anderes ein, sollten sie jemals den Drang verspüren, mir ein Denkmal zu setzen.

Maman

A propos Kinder: Wir haben heute das Mamachari richtig eingeweiht, also in voller Besetzung, diesmal mit dem Buben.

-9EFEDD34F61A

Honshiba Park

Honshiba Park liegt nicht nur in der Nähe unseres zukünftigen Wohnortes, er hat auch noch einen Spielplatz zu bieten und war mit seinen knapp drei Kilometern Entfernung von Roppongi ein gutes Einstiegsziel für unsere Fahrradaktivitäten. Fand ich und wagte mich todesmutig in den Verkehr auf Tokios Straßen. Ich habe es hierbei einfach den übrigen Radfahrern nachgemacht und je nach Laune und Verkehrssituation entweder die Straße oder den Gehweg benutzt. Das hat erstaunlich gut geklappt, auch wenn ich mich an den Linksverkehr noch ein wenig gewöhnen muss, aber das ist bei weitem nicht so ungewohnt wie gedacht. So konnten wir also einen neuen Spielplatz in unsere Liste aufnehmen und haben schonmal den neuen Dunstkreis abgecheckt. Direkt an der Tamachi-Station gelegen, kommen hier auch kleine Zugfans voll auf ihre Kosten. Der Bube brauchte jedenfalls ein paar Züge, um den Mund wieder zuzubekommen.

Nach 20 Minuten für eine Strecke kann übrigens festgehalten werden: mit den Rad wohnen wir tatsächlich nicht wirklich weit draußen. All good.

Tamachi-Station

 

 

Stadtsommer

So langsam kommt Routine in unseren Alltag zu dritt. Die kleine Dame, der Bube und ich kennen unseren Hood jetzt einigermaßen und wissen, wo wir spielen, einkaufen, shoppen oder uns in den öffentlichen Nahverkehr stürzen können. So kommt es in Woche 3 dann auch durchaus mal zu Wiederholungstaten.

Dienstag waren wir zum Beispiel mal wieder im Robot Park. Praktisch auch deshalb, weil es an den Roppongi Hills mit zahlreichen Geschäften liegt, wo ich nach Sandalen für den Buben schauen wollte, die ich letzte Woche schon gesehen hatte. Nachdem beide Kinder hier Tag für Tag die gleichen Schuhe tragen müssen, brauchen diese bei derartiger Dauerbelastung mal eine Gelegenheit auszulüften. Frühaufsteher, also auch Eltern mit Kleinkindern, kommen hier allerdings erstmal nicht weit. Die meisten Läden öffnen zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr. Der mit den Schuhen leider erst um 11. Also erst zum Robot Park und dann shoppen. Mittlerweile wird es in Tokyo immer sonniger und wärmer, so dass wir aufpassen müssen, nicht zu lange draußen zu bleiben. Nach einer Runde Spielen erreichte ich mit zwei verschwitzten Kindern mit roten Gesichtern den Laden. Schuhe nicht in der richtigen Größe da. Hmpf. Also erstmal heim, Pause gemacht, runtergekühlt.

Kühler Hase

Nachmittags wurden wir dann doch noch fündig. Im Tokyo Midtown Komplex bei uns um die Ecke hat sich die kleine Dame in ein Paar Sandalen verliebt, die es auch in der richtigen Größe gab. Der Bube muss noch etwas warten. Dazu haben wir noch einen neuen Artikel in unser stets mitgeführtes Arsenal aufgenommen: den Hand-Ventilator!!! Man stelle sich umgehend einen Tusch vor und verkneife sich jedes Grinsen. Jawohl, ein kleiner Ventilator zum Mitnehmen. Und Hasenohren plus eine Schnur zum Umhängen hat er auch. Ist mir auch völlig egal, wie das aussieht, bei 35 Grad und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit wie im Dampfbad ist das kleine Ding ein willkommener Helfer. Zugegebenermaßen habe ich die ersten zehn Leute, die ich damit gesehen habe, auch noch belächelt, die nächsten zehn schon nicht mehr so sehr, danach kamen dann langsam die Zweifel und ein Gefühl von „Will auch!“. Will ich auch immer noch, aber der Hase ist entweder fest in den Händen der kleinen Dame oder genauso fest im Mund des Buben (die Hasenohren). Beide wissen den erfrischenden Luftzug sehr zu schätzen.

Mittwoch war Bennis Geburtstag, auf den wir schon konspirativ hingearbeitet hatten. Unser Trip nach Ginza hatte uns in ein Geschäft geführt, das Namen auf Kanji, also in japanischen Schriftzeichen, in ein Stück Holz schnitzt. Das kleine Holzschild ist in Art eines Senjafudas gemacht, ein Schild, wie es an buddhistische Tempel angebracht wird. Ein typisches Mitbringsel für Touristen, aber sehr schön gemacht. Jetzt wollten wir für das Japan-Beginner-Set noch eine Maneki-neko, besser bekannt als Winkekatze. Einer der Legenden nach rettete die Katze Tama einem Fürsten das Leben, indem sie ihm zuwinkte, als der sich während eines Gewitters unter einem Baum unterstellte. Durch das einladende Winken lief der Fürst auf die Katze zu und entging so dem Blitz, der in den Baum einschlug. Eine Winkekatze aufzutreiben,ist in Tokio nicht besonders schwierig, fehlte nur noch ein Geburtstagskuchen. Den hatte die kleine Dame am Vortag beim Bäcker ausgesucht und er wurde dort umgehend mit einem „Happy Birthday Benjamin“ beschriftet.

Zur Feier des Tages verbrachten wir den Nachmittag zu viert im Yoyogi-Park, genauer im nord-östlichen Teil, um den Meiji-Schrein. Die Nähe zum Schrein macht den Park allerdings eher zu einem schönen Wald mit geradlinigen Hauptwegen. Essen, trinken, joggen, Grünflächen betreten – alles nicht erlaubt. Dafür war es schön, mal wieder viel Grün um uns herum zu haben und die Kinder einfach laufen lassen zu können.

 

Gewusst wie

So heiß der Sommer hier ist und so voll die Stadt auch ist, die Tokioter wissen Orte der Entspannung und Abkühlung zu schaffen. Auf unserem Heimweg durch die Grünanlagen um Tokyo Midtown kamen wir an einem Wasserkanal mit kleinen Stegen vorbei, auf denen die Menschen reihenweise saßen und ihre Füße ins Wasser streckten, über ihnen weiße Sonnensegel. Dahinter folgte eine Ansammlung von Tatami-Pavillons zum Ausruhen, eine Garden Lounge mit wunderschönen Lampions und der Digital Art Garden, einer geradezu magischen Installation mit Wasserdampf und Licht.

An dieser Stelle ist der zweite Tusch des Tages fällig: mein Mamachari ist da!!! Heute konnten wir mein heiß ersehntes, schwarzes zukünftiges Lieblingstransportmittel in Empfang nehmen und einweihen. Alles dran, was ich mir vom Fahrradmann meines Vertrauens gewünscht hatte, inklusive Handyhalterung für die Navigation durch die Großstadt. Geht doch auch mit einem wilden Mix aus Englisch und Japanisch und viel gutem Willen. Für meine sehr japanuntypische Größe haben wir beim Anpassen alles aus dem Rad rausgeholt, was möglich war. Sagen wir es mal so: ich habe schon weitaus bequemer auf Rädern gesessen, aber da hatte ich auch noch keine Kinder vorne und hinten zu kutschieren. So werde ich mich an die ungraziöse Fahrweise mit leicht ausgestellten Knien eben einfach gewöhnen müssen. Egal, wir sind endlich ein gutes Stück mobiler und die erste Fahrt zurück ins Apartment, die ich alleine mit der kleinen Dame wagte, tönte es ununterbrochen Begeisterungsrufe vom Rücksitz. Guter Start.

Mein Mamachari

 

Wochenende von oben

Es mag ja vieles anders sein in Tokio, aber fest steht, das Wochenende ist hier genauso schnell wieder vorbei wie zu Hause auch. Schwupp, Montag. Oder sogar Montagabend, um ganz präzise zu sein.

Wie schon erhofft, konnten wir Bennis zwei freien Tage wieder mit waschechten Touri-Unternehmungen füllen. Es hat durchaus seinen Charme die Rollen wechseln zu können, wie es beliebt. Vom Resident-Frischling zum schon recht bewanderten Touristen. 

Gestreifter Turm

Am Samstag ging es zum bisher nur aus der Ferne bestaunten und fotografierten Tokyo-Tower. Der markant rot-weiß gestreifte, 1958 fertig gestellte, 333m hohe Funk- und Fernsehturm wurde nach dem Vorbild des Eiffelturms erbaut und hat Aussichtsplattformen auf 150 und 250 Metern. Um beide zu besichtigen, muss man auch an moderat besuchten Tagen etwas Geduld mitbringen, da man in kleinen Grüppchen etappenweise von Aufzug zu Aufzug hinauf und hinab geleitet wird. Bekannterweise bringen Kleinkinder ja so viel Geduld mit wie…naja, halt Kleinkinder. Für uns war es also stellenweise eine Gratwanderung Bube, Dame und uns selbst bei Laune zu halten, aber es hat sich gelohnt. Ein wirklich beeindruckender Rundum-Blick erwartete uns vor allem auf 250 Metern Höhe. Sogar das Gebäude, in dem wir zukünftig wohnen werden, haben wir gefunden. Und etwas weiter entfernt, ein Riesenrad, das wir am nächsten Tag durch Zufall wieder entdecken sollten.

Sonntag zog es uns ins süd-östlich vom Zentrum etwas außerhalb gelegene Edogawa.  Hier war der Tokyo Sea Life Park das erwählte Ziel. Hierzu hieß es allerdings wieder eine Weile U-Bahn fahren und die damit verbundene Logistik stemmen. Der Bube wurde dafür in die eigens angeschaffte Rückentrage verfrachtet, um ihn die langen Gänge, Rolltreppen und Treppen der U-Bahnhöfe besser tragen zu können (Benni) und gleichzeitig die kleine Dame im Blick behalten sowie Gepäck und zusammengefalteten Buggy schleppen zu können (ich). So ausgerüstet und zu zweit noch ganz gut machbar.

Das Aquarium würde ich mal als „geht so“ einstufen, vielleicht bin ich aber auch nicht Fisch-Fan genug. Bube und Dame hingegen staunten, zeigten und jauchzten. Letztere freute sich besonders über das Wiedersehen mit Nemo, eine Szene, die sich seit 2003 wohl weltweit in Aquarien wieder und wieder abspielt.

Riesig

Vor dem Aquarium wartete dann unser erspähtes Riesenrad von gestern wieder auf uns. Diesmal aber ganz aus der Nähe und ich muss zugeben, ich war nachhaltig beeindruckt. Ok, ich bin bisher nicht wirklich ein Riesenrad-Tourist gewesen, weswegen zum Beispiel das London Eye nicht mit auf meiner Liste stand, als ich in London war. Deswegen kann ich mit Fug und Recht behaupten: ich habe noch nie ein so riesiges Riesenrad gesehen. Musste gefahren werden. Da der Bube zu der Zeit aber beschlossen hatte, dass die Welt ihn jetzt – wo es keine Tiere mehr zu sehen gab – getrost mal gern haben konnte und in seinen Mittagsschlaf auscheckte, fuhren erstmal Benni und die kleine Dame, die ich im Anschluss mit dem Versprechen, dass sie danach ein danebenliegendes ödes kleines Wasserkarussell mit Pinguin-Booten fahren durfte, dazu überreden konnte mit mir noch eine Runde zu drehen. ECHT hoch kommen einem so 115 Meter vor, wenn man in einer kleiner Gondel sitzt.

Das mit der Pinguin-Bootsfahrt sollte ich übrigens noch bereuen. Am Ticketschalter gefragt, wie alt die kleine Dame sei, antwortete ich wahrheitsgemäß mit vier. Hätte ich bloß sechs gesagt, merkt hier eh keiner ob der Größe des Kindes. Mit sechs hätte sie nämlich erst alleine fahren dürfen. Ein ganz und gar ungefährliches, saulangweiliges, weil saulangsames doofes kleines Karussell, das auf Schienen über eine winzige Wasserstraße gezogen wird. Winzig, weil das ganze Ding winzig war. Ich bin gar nicht winzig und musste jeden meiner 178 Zentimeter in diesen Mist-Pinguin fädeln. Und am Ende fand die Tochter das ganze auch noch – na? – langweilig. Ach! Das nächste Mal schaue ich mir genauer an, was ich verspreche…!

Heute hieß es dann wieder Alltag zu dritt, den wir zunächst einmal mit einem Trip nach Ginza angingen, einem belieben Einkaufsviertel in Tokio. Nachteil: wir mussten mit der U-Bahn fahren, also durfte ich diesmal die Trage-Buggy-Kombi alleine nutzen. Geht, gehört aber besonders bei 33 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Dafür machten wir es uns am Nachmittag im schon letzte Woche besuchten Kuritsu Hinokicho Park gemütlich. Diesmal ohne Regen.

Wir sind bunt

Man macht sich ja als Eltern immer so seine Gedanken, wie es den Kindern mit einem solchen Schritt wohl geht und ob sie sich wohlfühlen und zufrieden sind. Fragt man die kleine Dame, wie sie Tokio nun so findet, bekommt man stets ein bestimmtes, aber wenig detailliertes „Gut!“ zu hören. Der Bube wirkt tief zufrieden, hält sich mit Aussagen aller Art jedoch nach wie vor zurück. Heute habe wir ein Familienportrait von der kleinen Dame gemalt bekommen: Wir alle sind schön bunt und lächeln breit. So verkehrt kann es hier insgesamt also nicht laufen, denken wir und lächeln tatsächlich breit.

Familienportrait

Die kleine Dame, der Bube, Benni und ich (v.li.n.re.)